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Schlaues Sparen

Smart Grid: Stromsparen bei Wäsche und Co.

Die Maschine dreht sich nur dann, wenn der Strom günstig ist. Oft propagiert – allerdings (fast) noch Zukunftsmusik.

Skizze-Smart-Grid

© Miele & Cie. KG

So war es früher: Der Strom floss nur in eine Richtung und zwar vom Kraftwerk zum Kunden. Im Zeitalter der erneuerbaren Energien bekommen die Stromnetze immer häufiger und immer mehr den Saft aus dezentralen Quellen, wie beispielsweise von Photovoltaik-Anlagen auf privaten und öffentlichen Dächern oder von Windrädern aus ganzen Windkraftparks. Je nach Sonnenstand oder Windstärke schwankt jedoch die Einspeisung des Stroms. Wenn Flaute herrscht und die Wolken tief hängen, müssen die Kraftwerke mehr produzieren, um die Lücke zu füllen. Ist das Wetter dagegen für die Erzeugung erneuerbarer Energie optimal, gibt es ein Überangebot, das die Netze nicht mehr aufnehmen können. In einem solchen Fall müssen Windkraftanlagen und Solarzellen sogar vom Netz genommen werden. Dieses Ungleichgewicht lässt die Spannung im gesamten Netz schwanken – Störungen und Ausfälle drohen. Bisher ist das Problem so gelöst worden, dass zu viel produzierter Strom deutlich unter dem hiesigen Preisniveau ins Ausland verscherbelt wird.

Smart Grid soll das Netz optimal auslasten

Hier setzen intelligente Stromnetze – die sogenannten Smart Grids – an. Sie sollen Stromerzeuger, den Transport des Saftes sowie Informations- und Kommunikationssysteme näher zusammenbringen, um Engpässe oder Überproduktion zu vermeiden. Smart Grid soll dafür sorgen, dass das Netz gleichmäßig ausgelastet ist und der vorhandene Strom optimal verteilt wird. Beim Verbraucher angekommen, sollen dann intelligente Stromzähler – sogenannte Smart Meter – den Stromverbrauch sämtlicher Geräte im Sekundentakt überwachen und die Energie verteilen – und zwar dann, wenn der Strom möglichst günstig ist. Allerdings: Für den Betrieb eines Smart Meters wird eine jährliche Gebühr von bis zu 100 Euro fällig. Die Kosteneinsparung sollte also schon ordentlich sein und deutlich über dieser Gebühr liegen. Soweit die Theorie.

Politik hinkt hinterher

Allerdings gibt’s weitere Fragen und es entstehen einige Hürden: Während man am Abend den Fernseher auch mal aus lassen und lieber zu einem Buch greifen könnte, möchte man morgens auf keinen Fall auf die heiße Dusche verzichten, nur weil der Strom gerade ein bis zwei Cent teurer ist. In der Praxis hinkt der Ausbau der smarten Stromnetze ohnehin stark hinterher. Die Stromerzeuger müssen flächendeckend Staffeltarife anbieten, eine Differenzierung nur zwischen Tag- und Nachtstrom reicht nicht aus. Auch die für einen reibungslosen praktischen Ablauf benötigten Smart Meter sind bis dato nur in wenigen Feldversuchen eingeführt. Die Geräte  entsprechen auch nur teilweise den gesetzlichen Bestimmungen und den Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Immerhin hat die Bundesregierung angekündigt, rechtliche Rahmenbedingungen schaffen zu wollen. Die sind auch zwingend nötig, denn laut Energiewirtschaftsgesetz ist der Einbau der aktuell verfügbaren Smart Meter (dem „EDL21-Zähler“) bereits für Neubauten und Verbraucher mit mehr als 6.000 Kilowattstunden pro Jahr (der Durchschnitt liegt bei 3.500 kWh) Pflicht. Im endgültigen Roll-out der neuen und ratifizierten Generation von Smart Metern soll die Verpflichtung zum Ein- bzw. Umbau aber dann auch wieder eine andere sein. Höchste Zeit also, dass die Politik hier aktiver wird.

Kommt der gläserne Nutzer?

Ein wichtiger Punkt ist auch die Frage nach dem Datenschutz. Durch die bis auf die Sekunde genaue Überwachung eines intelligenten Stromzählers können klare Nutzerprofile entstehen: Schließlich zeichnet das Smart Meter genau auf, wann morgens das Licht angeht, die Kaffeemaschine läuft, alle Bewohner das Haus verlassen (es fließt nur noch marginal Strom) und wann am Abend der Fernseher ausgeknipst wird. Das ist aber noch nicht alles: So ist es laut einer Studie der Universität Münster möglich, zu erkennen, welcher Film gerade läuft. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat aber einen Entwurf erarbeitet, der hier Grenzen setzt. Dieser Ansatz sieht vor, dass die kontinuierliche Übertragung von Verbrauchsdaten an den Netzbetreiber verboten ist. Diese Daten werden lediglich im 15-Minuten-Intervall im Zähler gespeichert, aber nicht verschickt. Nur zu bestimmten und vom Gesetzgeber definierten Zwecken kann der Kunde den Erzeugern Zugang zu diesen Daten gewähren. Der komplett gläserne Nutzer, wie er in den USA zum Teil schon Realität ist (dort übertragen bis dato installierte Smart Meter sekündlich die Daten direkt an den Stromerzeuger), ist damit erst einmal vom Tisch. Auch wenn der große Wurf in Sachen Smart Grid noch in weiter Ferne liegt, sind erste Ansätze seitens der Industrie bereits vorhanden. So untersuchte der Netzwerk-Profi devolo in einem Feldversuch die hauseigene G3-PLC-Technologie. Mit ihr soll eine sichere, leistungsfähige und zuverlässige Übertragung der Daten innerhalb eines Smart Grids möglich sein. Aber auch für den Endverbraucher sind erste Lösungen erhältlich.

Photovoltaik-Besitzer sparen mit SmartStart

So hat beispielsweise Miele in der hauseigenen Smart-Home-Reihe „Miele@home“ eine Funktion verbaut, mit der Eigenheimbesitzer, die Solarstrom nutzen und dabei auf die Firma SMA Solar Technology AG gesetzt haben, Kosten sparen können. Die Idee: SmartStart-fähige Waschmaschinen, Geschirrspüler und Trockner sollen automatisch loslegen, sobald die hauseigene Photovoltaikanlage genug Energie erzeugt hat. Dazu sind neben einer eigenen PV-Anlage die Miele@home-Komponenten nötig (das zentrale Gateway XGW 3000 kostet rund 350 Euro, die günstigste SmartStart-Waschmaschine beläuft sich auf etwa 1.400 Euro). Darüber hinaus muss der smarte Stromsparer die intelligente Zentrale „Sunny Home Manager“ von SMA einsetzen. Sollte der Stromversorger vor Ort einen Staffeltarif anbieten, der sich an den Lasten des Verbrauchers orientiert, kann dieser Tarif die Photovoltaik-Anlage ersetzen. Alles, was man an der Maschine dazu eingeben muss, ist neben der schmutzigen Wäsche den spätesten Zeitpunkt, an dem die Trommel zum Stillstand gekommen sein soll. Wer solche Investitionen scheut, aber dennoch Strom sparen will, kann beispielsweise bei E.ON den SmartCheck einsetzen.

Strom sparen mit Online-Tool & App

Der SmartCheck hilft E.ON-Kunden, ihren Energieverbrauch im Blick zu behalten. Auf einer digitalen Plattform im Internet kann man regelmäßig den eigenen Zählerstand eingeben und sofort sehen, ob der aktuelle Strom- und Erdgasverbrauch mit dem prognostizierten Verbrauch übereinstimmt. Dank integriertem Frühwarnsystem informiert der E.ON SmartCheck rechtzeitig, wenn eine Nachzahlung bei der Jahresrechnung droht, und hilft dabei, diese zu vermeiden.  Das ist zwar noch keine smart gesteuerte Waschmaschine – dafür wird aber auf Wunsch die monatliche Abschlagszahlung sinnvoll korrigiert.

App SmartCheck von E.ON

Fazit

Ja, Smart Grids und Smart Meter werden früher oder später sicher in den meisten Haushalten zu finden sein. Ja, sie kosten eine jährliche Gebühr. Allerdings wird der Endverbraucher auch Strom sparen. Auf der anderen Seite dürfte die Ersparnis womöglich geringer ausfallen, als man heute annimmt, denn nicht jedes kompatible Gerät wird den Nutzer auch smart steuern lassen. Erste Ansätze wie der von Miele@home suchen die praktische Umsetzung. Letztlich muss aber das gesamte Stromnetz flächendeckend umgebaut und miteinbezogen werden, um einen möglichst effektiven Nutzen von Smart Grid zu gewährleisten. Allerdings: Die Bundesnetzagentur wollte uns auf Anfrage keine Auskunft über den Status von Smart Grid geben.

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