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Title: Entertainment
Test: tastenlose Universalfernbedienung

SPIN remote steuert mit Gesten und Bewegungen

Mit einem völlig neuen Bedienkonzept fordert die SPIN remote alle Universalfernbedienungen heraus. Geräte mit Gesten und Bewegungen steuern - geht das überhaupt?

© Karsten Kunert

© Karsten Kunert

Das ehemalige Kickstarter-Projekt SPIN remote hat etliche Auszeichnungen für sein innovatives Bedienungskonzept erhalten. Die Universalfernbedienung kommt ohne eine einzige „richtige“ Taste aus und steuert das Smart Home durch Bewegungen und Gesten. Mittlerweile hat das Produkt Serienreife erlangt und kann für knapp 100 Euro im Handel erworben werden.

Der Clou des kleinen Gerätes: Bewegungs- und Beschleunigungssensoren im Inneren der Fernbedienung erkennen Gesten und übersetzen diese in Infrarot-, Bluetooth oder WLAN-Befehle. So werden unterschiedlichste Endgeräte im Smart Home und auf der Fernsehbank gesteuert. Die herkömmliche Fernbedienungssammlung kann angeblich direkt in eine dunkle Schublade verschwinden. Ob dieses Versprechen in einem vierköpfigen Haushalt eingelöst werden kann, haben wir eine Woche lang getestet.

© Karsten Kunert

Inbetriebnahme und erste Schritte

Die SPIN remote besteht aus zwei Teilen. Einer Unterplatte mit 6,5 cm Durchmesser, die ein kapazitatives Touchpad, einen LED-Leuchtring und Platz für die Batterien bietet, und einem konisch designten Gehäuse aus Aluminium. Zusammengesetzt ist das Gerät 5 cm hoch und passt sich gleichermaßen gut in Kinder- und Erwachsenenhände ein. Geliefert wird das „Aluminiumei“ in einer quadratischen Produktverpackung, in der zwei AA-Batterien beiliegen. Sobald diese eingelegt sind, beginnen der mehrfarbige Leuchtring und das Firmenlogo an der Oberseite des Gerätes blau zu leuchten. Diese Farbgebung wird noch eine wichtige Rolle bei der Bedienung spielen.

© Karsten Kunert

Parallel wird die entsprechende App auf einem Android- oder iOS-Gerät gestartet - wichtig dabei ist, dass Bluetooth aktiviert ist. Die App sucht daraufhin SPIN remotes in der näheren Umgebung und verbindet diese mit dem Smartdevice. Im Test mit einem iPhone und einem iPad Air haben sich App und Remote sofort gefunden. Die Fernbedienung war im Nu betriebsbereit.

Das Smartdevice ist für die Steuerung der SPIN remote von zentraler Bedeutung. Die Fernbedienung selber sendet nämlich lediglich Infrarot-Signale. Geräte, die über WLAN oder Bluetooth angesprochen werden, erhalten ihre Befehle von dem Handy oder Tablet, das als sogenanntes ‚Hub’ für die Spin Remote arbeitet.

Profile und Farben

Als Universalfernbedienung muss die SPIN remote mit unterschiedlichsten Geräten im Smart Home und auf der Fernsehbank zusammen arbeiten. Diese Herausforderung löst sie, indem sie den Zielgeräten unterschiedliche Profile zuordnet. Für Sonos- und Philips Hue-Systeme sowie für die hierzulande wenig bekannten LIFX-Lampen liegen bereits Profile vor. Die Befehle für alle anderen Geräte muss die SPIN remote erst noch lernen.

Jedes Profil bekommt beim Anlegen einen eigenen Farbcode zugewiesen. Beim Wechsel von einem Profil in ein anderes, was im Betrieb elegant durch ein simples Doppeltippen an das Gehäuse funktioniert, übernimmt auch die Fernbedienung diese Farbe und leuchtet an der Oberseite und am bereits erwähnten Farbring entsprechend. So kann man sich recht gut merken, welches Gerät gerade gesteuert wird. Zum Beispiel Fernseher blau, Sonos gelb, Sky Receiver grün und so weiter. 

Screenshot Spin Remote App: Karsten Kunert

Natürlich ist nicht jedes Profil auf genau ein Endgerät beschränkt. Befehle für unterschiedliche Einheiten können selbstredend auch in einem Profil unter einem Farbcode zusammengefasst werden. Das macht zum Beispiel dann Sinn, wenn eine Aktivität das Zusammenspiel mehrerer Einheiten erfordert, wie in unserem Fall ein Samsung Fernseher, der den Ton über eine Sonos Playbar wiedergibt. Durch das Anlegen eines solchen Mischprofils erübrigt sich der Wechsel von ‚Fernsehen’ auf ‚Sonos’.

Derzeit bieten App und Fernbedienung sieben unterschiedliche Farben bzw. Profile mit jeweils 20 möglichen Befehlen an. Auf diese Weise stehen dem SPIN remote-Nutzer in der Summe 140 mögliche Steuerungsbefehle zur Verfügung, die er nach Belieben seinem Smart Home zuweisen kann. Allerdings befindet sich die App immer noch in der Entwicklungsphase und es ist sehr wahrscheinlich, dass in naher Zukunft noch mit vielen neuen Funktionen zu rechnen sein wird.

Screenshot Spin Remote App: Karsten Kunert

Profile, Gesten und Touchpad

Mithilfe der App werden nun Gesten, die mit der SPIN remote ausgeführt werden können, mit Befehlen an die Endgeräte verknüpft. Zur Auswahl stehen Drehungen der Remote, wahlweise auf dem Tisch stehend, auf dem Kopf stehend oder waagerecht nach vorne gehalten, sowie Wischbewegungen und Druck auf dem Unterboden. Dieser ist gleichzeitig ein kapazitatives Touchpad, das sich ebenfalls mit Befehlen belegen lässt. Die App bietet für das runde Touchpad eine Quasi-Kopie des Pfeileblocks der gängigen Fernbedienungen an. Hoch, runter, links, rechts und OK/Bestätigen in der Mitte. Natürlich obliegt die finale Belegung dem Nutzer selber und auch hier gilt: die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen - weitere Optionen werden noch folgen, da die SPIN remote permanent weiterentwickelt wird. Zusatzfunktionen werden künftig via Software-Update aufgespielt.

Screenshot Spin Remote App: Karsten Kunert

Um perfekt mit den Zielgeräten zusammenarbeiten zu können, muss die SPIN remote noch deren Befehle lernen. Im Test funktionierte das spielend einfach. In der App wird die gewünschte Bewegung ausgewählt, zum Beispiel ‚horizontal Drehen’. Daraufhin erscheint eine Auswahl der möglichen Befehle. In unserem Beispiel sind dies ‚Lautstärke anpassen‘, ‚Sender wechseln‘, ‚Helligkeit ändern‘, ‚Farbe wechseln‘, ‚Temperatur ändern‘ und Titel auswählen‘.

Screenshot Spin Remote App: Karsten Kunert

Anhand dieses Beispiels wird klar, dass die SPIN remote unterschiedlichste Geräte ansprechen will. ‚Helligkeit‘ und ‚Farbe‘ zielen auf smarte Lampen ab, während ‚Temperatur‘ Thermostate steuern soll und ‚Titel‘ sich auf Musikwiedergabe bezieht.

In einem letzten Schritt wechselt die SPIN remote in den Lernmodus und möchte den Befehl von der Fernbedienung beigebracht bekommen. Hier reicht es aus, die original Fernbedienung nah an die nun rot leuchtende SPIN remote zu halten und die entsprechende Taste zu drücken. Die App verknüpft das gelernte Signal sogleich mit der gewählten Geste. Fertig.

In unserem Test war die Einrichtung eines Samsung Fernsehers und eines Sky Receivers in Minutenschnelle geschafft. Einen Fire TV haben wir trotz mehrfacher Wiederholung der Installationsroutine nicht integrieren können.

Die SPIN remote im Alltag

Das Bedienungserlebnis der SPIN remote ist im wahrsten Sinne des Wortes gewöhnungsbedürftig. Auch oder gerade weil sich das Bedienkonzept so gänzlich von allem bisher Gelerntem unterscheidet. Bis alle Befehle und alle Gesten und Wischbewegungen beim Besitzer in Fleisch und Blut übergegangen sind, dauert es eine ganze Weile. Besonders anfangs stellen sich immer wieder die gleichen Fragen: „Welche Profilfarbe hat gleich wieder der Fernseher?“, „Wie wechsle ich die Profile?“, „Mit welcher Geste kann ich die Sender verstellen?“ und so weiter. Allerdings setzt sehr schnell ein Lerneffekt ein.

Problematisch: In unserem Szenario mussten vier Leute sämtliche Profile und Farbzuordnungen erlernen. Anders formuliert: Ich musste drei Damen die entsprechenden Gesten und Befehle immer wieder erklären. In einem Single-Haushalt, in dem nur eine Person die Dienste der SPIN remote nutzt, ist die Befehlsdefinition wahrscheinlich von wenig Belang. Bei vier Personen, die auf die gleichen Geräte zugreifen, sieht das anders aus.

Sobald die Gesten und Bewegungen aber sitzen, macht die SPIN remote Spaß. Das Gerät liegt mit seinem Aluminiumgehäuse gut in der Hand, reagiert zügig und sieht toll aus. Erfolgreiche Befehle werden von einem sanften Vibrieren unterlegt, was die Bedienung vereinfacht.

© Karsten Kunert

Die Grenzen der Gestensteuerung

Die SPIN remote ist ein Handschmeichler, den man gar nicht mehr hergeben möchte, und spielt ihre Stärken bei weniger filigranen Szenen aus. Dazu gehört die Lautstärkeregelung mit vorgestrecktem Arm durch Links-Rechts-Drehungen. Szenen, die mehr Feingefühl beanspruchen, können mitunter zum Geduldspiel werden. Das Weiterschalten von Fernsehkanälen per Drehung hat sich in unserer Testwoche nicht bewährt. In diesem Zusammenhang fällt auch das Nichtvorhandensein eines Nummernblocks ins Gewicht. Bei den im Schnitt 40 oder mehr Fernsehsendern, die jedem Kabelkunden zur Verfügung stehen, ist es angenehm, ‚37‘ für Kanal 37 einzutippen, anstatt 37 Mal weiter zu schalten oder zu drehen.

Auch bei Aktionen, die mehrere Befehle hintereinander benötigen, stößt das Bedienungskonzept an seine Grenzen. Wollte ich zum Beispiel die Eingangsquelle von HDMI1 auf HDMI2 wechseln, dann musste ich jedes Mal wieder auf die Originalbedienung zurückgreifen. Das hat der Hersteller anscheinend auch schon erkannt und für das nächste Update eine Umschaltfunktion von Eingängen in Aussicht gestellt (Stand Mitte November 2016).

Ohne App nichts los

Wie bereits erwähnt, ist die SPIN remote ein geselliger Zeitgenosse, der erst in Kombination mit einem Smartdevice seine wahren Stärken ausspielt. Anstatt ein eigenes WLAN- und Bluetooth-Modul einzubauen, nutzt der Hersteller die vorhandenen Komponenten des Steuerungsgerätes. Das Smartdevice dient dabei als Befehlsübermittler. Durch diesen Schachzug spart die SPIN remote Batterieleistung und natürlich auch an den Herstellungskosten, was sich auch in dem erschwinglichen Anschaffungspreis widerspiegelt. Infrarotgesteuerte Zielgeräte lassen sich auch ohne externe Unterstützung bedienen.

Darüber hinaus sind auch die Steuerungsprofile auf dem Handy/Tablet gespeichert. Das hat zwei wichtige Konsequenzen:

  • Um mit der SPIN remote effektiv arbeiten zu können, muss immer ein Smartdevice in Bluetooth-Nähe vorhanden sein, auf dem die SPIN remote-App aktiv läuft. Dieses Gerät versorgt die Remote dann mit den notwendigen Informationen zu ihrer Umgebung über eine Bluetooth-Verbindung.
  • Nachdem die Einstellungen lokal auf diesem Gerät gespeichert werden, verfügt auch nur genau jenes über die relevanten Informationen. Jedes weitere Smartdevice, mit dessen Hilfe die Remote betrieben werden soll, muss von Grund auf neu eingerichtet werden. Idealerweise natürlich mit exakt den identischen Befehlszuordnungen. Einstellungen werden nicht zentral hinterlegt und geteilt.

Mit anderen Worten: Wenn ich nicht zu Hause bin, kann meine Familie nur die Infrarot-Befehle der Fernbedienung benutzen, es sei denn, die Spin App ist auf weiteren Smartdevices installiert und konfiguriert. Hier könnte man zum Beispiel ein Tablet verwenden, das von allen Familienmitgliedern genutzt wird und ohnehin die meiste Zeit zu Hause bleibt. Doch der Hersteller gibt an, demnächst an einer Cloud-Lösung arbeiten zu wollen, die es einfacher macht, Einstellungen zwischen verschiedenen Smartdevices zu kopieren.

Fazit

Die Spin Remote ein tolles Gerät. Sie liegt sehr gut in der Hand, schaut schick aus und die Bedienung macht fast immer Spaß - vor allem, wenn die Automatismen erst einmal greifen. Auch der Preispunkt von knapp 100 Euro ist gut und nicht übertrieben hoch.

Aber der große Spaß hat in unserem Test einige Kratzer abbekommen. Als Gerät, das all unsere Fernbedienungen ersetzen kann, hat sich die Spin Remote in einem Vier-Personen-Haushalt im November 2016 noch nicht bewähren können. Wir sind immer wieder in Situationen gekommen, in denen wir zur original Fernbedienung greifen mussten. Insbesondere ein fehlender Zahlenblock fällt in Zeiten von Kabelfernsehen täglich ins Gewicht. Allerdings verspricht der Hersteller kontinuierliche Updates, die das Gerät Schritt für Schritt weiter verbessern werden.

Bug oder Feature? Ohne ein Smartdevice, auf dem die Hersteller-App läuft, kann die Spin Remote nicht zu voller Stärke auflaufen. Familien tun gut daran, mehrere Handys entsprechend auszustatten, um nicht von einem zentralen Steuerungsgerät abhängig zu sein. Dafür kann auf diese Weise jeder die für ihn idealen Profile erstellen und ist so eigener Herr der Steuerung.

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