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Smart Home

Alles über das smarte Wohnen

Smarte Ernährungs-Trainer

Auch das Küchengeschirr denkt schon mit

Intelligente Gabeln, Teller oder Becher erkennen Speisen und Getränke. Ist das sinnvoll oder Big Brother im Esszimmer?

Tisch mit Gemüse und Frau mit Smartphone

iStock.com / DragonImages

Wer kennt das nicht? Hier ein Geburtstag, da eine Firmenfeier, dort die Freunde, die zum All-you-can-eat-Buffet laden -  der Gürtel wird ein, zwei Löcher weiter geschnallt, die Zeit für die guten Vorsätze beginnt wieder auf’s Neue. Aber was tun, wenn das Abendessen wieder allzu lecker schmeckt oder keine Zeit für eine größere Joggingrunde im Wald bleibt? Im Alltag haben es gute Vorsätze schwer. Technische Unterstützung kann dabei helfen, den inneren Schweinhund zu überwinden. Fitness-Tracker etwa, die sportliche Ausflüge wie auch alltägliche Bewegungen aufzeichnen und ihre Besitzer zuverlässig daran erinnern, sich aufzuraffen, sind schon weit verbreitet. Jetzt kommen digitale Helfer dazu, die auch bei der Ernährung den rechten Weg weisen. 

Langsam essen ist gesünder 

Kein Erwachsener mag es, wenn man ständig an seinen Essensgewohnheiten herumkritisiert – Kinder übrigens auch nicht. Gewichtsprobleme können aber schon aufgrund der Essgeschwindigkeit entstehen. Zu schnelles Essen etwa fördert Übergewicht, sagen Ernährungswissenschaftler. Der Grund: Die Sättigung setzt bei einer Mahlzeit erst nach etwa 20 Minuten ein. Isst man in dieser Zeit zu schnell, verputzt man leicht mehr als nötig. Die richtige Essgeschwindigkeit lässt sich lernen, versprechen die Entwickler der smarten Gabel „10SFork“ vom französisch-amerikanischen Unternehmen slowcontrol.com. Das per Bluetooth vernetzte Esswerkzeug kostet rund 70 Euro und soll seinem Besitzer ein gemächliches Esstempo beibringen: Der recht klobige Griff vibriert beispielsweise penetrant, wenn die Gabel zu häufig zum Mund geführt wird. Darüber hinaus werden die Essgewohnheiten per Bluetooth an eine Smartphone-App übertragen und dort gespeichert. Zudem sollen Lernerfolge mithilfe eines Coaching-Programms innerhalb der App erzielt werden. 

10SFork mit zugehöriger App

Es kommt auch auf den Inhalt an

Die schlaue Gabel, die bereits auf dem Markt ist, hat allerdings zwei Nachteile: Sie versagt überall dort, wo keine Gabel benötigt wird, also etwa bei Fingerfood und Suppe. Und sie ermittelt auch keine Informationen über die Qualität oder Nährwerte der Speisen. Für diese Aufgabe kündigen sich aber schlaue Ergänzungen an. Im Rahmen einer Kickstarter-Kampagne wurde im Frühsommer 2015 der intelligente Teller „SmartPlate“ (ab rund 90 Euro) vorgestellt, der alle Speisen erkennen soll, die man auf ihm anrichtet. In drei Bereichen ermittelt er das jeweils aufgelegte Essen mithilfe einer Kamera und einer Waage. Per Foto-Erkennung soll der Teller 99 Prozent aller Speisen und Fertiggerichte erkennen und deren Kalorien und Nährstoffe analysieren. Die Daten lassen sich über die zugehörige App in alle möglichen Fitness-Tracker einspeisen und mit den Aktivitätsdaten des Nutzers verbinden. So hat man stets im Blick, ob man gerade zu viel, zu wenig oder genau richtig isst und wann man etwa weniger Fett oder Zucker konsumieren sollte. Die Tafel Schokolade zwischendurch muss dem Teller natürlich auch präsentiert werden – oder man erfasst sie separat über die zugehörige App. Hinter SmartPlate steht das US-Start-up Fitly, zu dessen Team auch die ehemalige Weltklassesprinterin Jackie Joyner-Kersee zählt. Der clevere Teller soll im Frühjahr 2016 auf den Markt kommen, Vorbestellungen sind möglich.

Ein ähnliches Versprechen macht auch ein spezieller Food-Scanner namens „Tellspec“, dessen finale Version ab März für rund 370 Euro zu haben ist. Er sieht aus wie eine kleine PC-Maus und analysiert Lebensmittel anhand eines optischen Verfahrens, des sogenannten Spektrogramms. Die Zusammensetzung des von einer Speise reflektierten Lichts wird dabei mit einer stetig wachsenden Onlinedatenbank verglichen – mit ähnlichem Ergebnis wie beim smarten Analyse-Teller.

Heute schon genug getrunken?

Auch ein Bierchen in Ehren schlägt auf die Kalorienbilanz, ebenso wie der Energydrink zwischendurch. Zum Glück gibt es auch dafür intelligente Helfer. Der smarte Trinkbecher „Vessyl“ befindet sich zwar momentan noch in der Entwicklung, kann aber schon beim Hersteller für etwa 182 Euro vorbestellt werden. Das Versprechen dahinter: Vessyl untersucht alle Getränke, mit denen man ihn befüllt, bis ins letzte Detail. Zucker- oder Alkoholgehalt, Frucht- oder Vitaminstoffe – kein Detail bleibt dem Getränkescanner verborgen. Der Becher soll aus seinen Sensor-Messdaten sogar die Marke und Sorte eines Erfrischungsgetränks ermitteln können. Die Produktdaten entstammen, wie bei den Food-Scannern, einer Onlinedatenbank.

Natürlich führt die zugehörige App auch Buch über die zugeführte Flüssigkeitsmenge. Auch hier lassen sich Drinks von Hand eintragen – wer will schon beim Italiener seinen Chianti aus einem hohen Plastikbecher süffeln oder die Apfelschorle umfüllen? 

Übrigens: Wer vor allem sichergehen möchte, dass er stets genug trinkt, findet im Schwestermodell Pryme Vessyl (ab rund 90 Euro) bereits eine marktreife Alternative. Dieser vernetzte Becher erkennt zwar nicht das eingefüllte Getränk, protokolliert aber die Menge, die aus ihm getrunken wird. In den USA ist er bereits zu haben.

Das mit dem richtigen Trinken sollen natürlich auch die Jüngsten unter uns beizeiten lernen. Die Macher der oben genannten Smart-Gabel 10S Fork haben dafür mit der vernetzten Babyflasche „Baby Gigl“ eine Lösung in petto. Sie gibt beispielsweise den optimalen Winkel zum Flaschenfüttern an, sodass das Baby weder zu viel auf einmal schluckt noch Luft mittrinkt – abhängig natürlich vom Füllstand. Außerdem erkennt die Flasche, wenn der Saugnippel verstopft ist. Fehler im Trinksystem protokolliert eine zugehörige App, sodass Eltern anhand der Daten die treu sorgenden Großeltern oder Babysitter beraten können. Das Projekt steckt allerdings noch in der Schwarmfinanzierung via Indiegogo. Ab rund 70 Euro kann man sich ein Exemplar bereits vorbestellen. 

Babygigle Babyflasche

Schokolade? Erst in drei Stunden wieder! 

Doch bleibt nach einem langen Tag der kontrollierten Enthaltsamkeit die brennende Gier nach einem Schokoriegel, dann hilft nur eins: Süßkram sicher wegschließen! Das macht etwa die Aufbewahrungsdose „kSafe“ von Kitchensafe. Ihr Deckel besitzt ein digitales Zeitschloss, das sich für Zeitspannen zwischen einer Minute und zehn Tagen verriegeln lässt. Einmal verschlossen, hilft bis zum Ablauf der Frist nur noch brutale Gewalt, um die Box zu öffnen. Für diesen unwahrscheinlichen Fall verkauft der Hersteller übrigens Ersatzbehälter, die mit dem bisherigen Zeitschloss weiter funktionieren. Neben Schokokeksen lassen sich im kSafe natürlich auch Gamepads oder Zigaretten wegschließen. Wann kSafe auf den Markt kommt und wieviel das Gadget kosten wird, ist noch unbekannt.

in Kitchensafe weggeschlossene Spielekonsole

Fazit

Noch stecken digitale Ess- und Trink-Coaches in den Startlöchern, doch die Chancen stehen gut, dass die Ernährungsanalyse den nächsten großen Technologiesprung im Smart Home markiert – und im Gesundheitswesen. Vorstellbar ist aber auch, dass Gesundheitsprofile dann weniger von vernetzten Tellern als vielmehr in einem smarten stillen Örtchen ermittelt werden.

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