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Sprachsteuerungen im Test

Barrieren in der Spracherkennung von Siri & Co.

Siri und Co. erleichtern das Leben – wenn sie funktionieren. Falsch verstandene Befehle verderben dabei den Spaß.

Frau hält sich den Mund zu

iStock.com/STUDIO GRAND OUEST

„Hey Siri, spiel' Helene Fischer!“, ruft eben dieser eine angeheiterte Schlagerfan unter den Gästen – und Sekunden später tönt „Atemlos“ in voller Lautstärke aus den Boxen. Für einige mag das ein Riesenspaß sein, andere nutzen diesen Augenblick lieber für den Gang zur Toilette. Sobald das iPhone am Ladekabel die Beschallung des Partyraums übernimmt, ist dieses Szenario durchaus realistisch, denn die Sprachassistenten von iPhone, Android und Co. scheren sich nicht darum, von wem sie ihre Befehle entgegennehmen. Eine wahre Einladung für Party-Crasher also.

Dieser Fall zeigt allerdings nur einen Nachteil, den die Sprachsteuerung mit sich bringen kann. Während ein unerwarteter Wechsel der Playlist vielleicht noch Heiterkeit verbreitet, sorgen missverstandene Befehle bei der Spracheingabe für reichlich Frust. Wenn das Smartphone beispielsweise nicht das neueste Album der US-Punk-Band Rancid abspielt, sondern die kürzeste Route nach Remscheid ausgibt, ist die manuelle Eingabe die bessere Wahl.

Zwischen Sprachbarrieren ...

Vor allem der Sprachen-Mix aus Deutsch und Englisch bringt Spracherkennungssysteme immer wieder an ihre Grenzen. Auch wenn die Erkennungsleistung immer besser wird, zeigen sich Spracherkennungsmodule selbst bei korrekter Aussprache oft begriffsstutzig.

Trotz aller Fortschritte in Sachen Sprachsteuerung kommt es nach wie vor zum ungewollten Medienbruch. So bequem es in der Praxis auch ist, dem Smartphone eine E-Mail, Aufgabe oder Notiz zu diktieren, so lästig ist es, wenn zwischendurch doch einmal die Tastatur des Smartphones nötig ist, weil eine Ansage nicht korrekt verstanden oder der benötigte Befehl schlichtweg falsch interpretiert wird.

Siri Screenshot

... und Ländergrenzen

Verständnisprobleme zwischen smarter Technik und Nutzern sind nervig – schlimmer aber ist es, wenn tolle Funktionen gar nicht erst verfügbar sind. Viele Geräte mit ausgereifter Spracherkennung sind momentan noch exklusiv in den USA und anderen englischsprachigen Ländern erhältlich. Ein Beispiel dafür ist Amazons Alexa: Die Sprachassistentin hilft Amazon-Kunden in den USA schon seit über einem Jahr dabei, den digitalen Alltag zu organisieren. So können Alexa-fähige Geräte wie der smarte Lautsprecher Amazon Echo nicht nur die Mediensteuerung im Haus übernehmen, sondern auch komplexe Fragen beantworten, den Terminkalender und die Einkaufsliste managen oder einen Witz erzählen. Für die Zukunft plant Amazon, Alexa um Smart-Home-Steuerungsfunktionen zu erweitern. Ob und wann die Technologie nach Europa kommt, ist indes offen. 

Amazon Echo

Auch die hierzulande bereits verfügbaren Dienste bieten oft nur einen eingeschränkten Funktionsumfang. So kann Apples Siri nicht auf die umfangreiche Wissensdatenbank von Wolfram Alpha zugreifen – sämtliche komplexe Fragen liefern lediglich eine einfache Websuche statt der korrekten Antwort.

Auch bei Google Now ist der Funktionsumfang im Vergleich zur USA-Variante reduziert. So ist es zwar möglich, eine Nachricht per SMS oder WhatsApp „freihändig“ zu verfassen, die Option, sich die neuesten Nachrichten vorlesen zu lassen, fehlt aber. Und wo wir gerade bei Google sind: Die mit umfangreichen Möglichkeiten zur Sprachbedienung ausgestatteten smarten Thermostate „Nest“ sind in Deutschland bislang ebenfalls noch nicht verfügbar.

Sprachsteuerung: Wer hört mit?

Wesentlich schwerwiegender als fehlende Funktionen sind Bedenken, die Datenschützer im Hinblick auf die Sprachsteuerung äußern. Bei nahezu allen Geräten werden die Sprachbefehle zur Analyse an den Server des Herstellers geschickt und dort verarbeitet. Doch dabei bleibt es nicht: Egal ob Apple, Google, Microsoft oder Amazon: Alle Hersteller speichern die aufgenommenen Sprachbefehle für bis zu zwei Jahre. Apple weist darauf hin, dass die Siri-Befehle nach sechs Monaten anonymisiert werden, bei Google und Microsoft fehlen solche Infos. Immerhin erlaubt Google seinen Nutzern, den Suchverlauf zu deaktivieren und vorhandene Einträge vom Server zu löschen (über das Konto unter google.de). Das ist allerdings vor dem Hintergrund, dass die Sprachhelfer bei entsprechender Einstellung dauerhaft lauschen, um auf Kommandos wie „Okay, Google“ oder „Hey Cortana“ zu starten, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Das Problem betrifft übrigens nicht nur Smartphones und Tablets. Für Negativschlagzeilen sorgte im Februar 2015 die Meldung, dass Smart-TVs von Samsung gesprochene Befehle aufzeichnen und über das Internet an einen Drittanbieter übermitteln – natürlich unverschlüsselt. In den Nutzungsbedingungen weist Samsung daher explizit darauf hin, dass bei aktivierter Sprachsteuerung keine privaten Dinge besprochen werden sollten.

Twitter / Parker Higgukah

Natürlich ließ die Kritik an diesen Bedingungen nicht lange auf sich warten. Parker Higgukkah, seines Zeichens Aktivist bei der auf Privatsphäre und Sicherheit spezialisierten Electronic Frontier Foundation (EFF), verglich die Samsung-AGBs per Tweet mit einem Auszug aus George Orwells düsterer Zukunftsvision 1984 – und fand erschreckende Übereinstimmungen. In einem Statement betonten die Koreaner später, dass die Online-Verarbeitung der Befehle erst dann erfolgt, wenn die Spracherkennung der Fernseher über eine Taste oder über einen Sprachbefehl aktiviert wird. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch zurück – und die Erkenntnis, dass ein Blick in die Nutzungsbedingungen der Geräte vor dem Einsatz der Sprachsteuerungsfunktionen auf jeden Fall empfehlenswert ist. 

Fazit

Sprachsteuerung kann durchaus bequem sein. Wenn aber Siri und Co. Befehle mit einem „Tut mir leid, das kann ich nicht tun“ quittieren oder anders reagieren, als erwartet, zeigt sie deutlich ihre Grenzen. Wer sich dann noch um seine Privatsphäre sorgt, wird durch die AGBs der Hersteller auch nicht gerade beruhigt. Im Zweifelsfall gilt: Schalten Sie die Sprachsteuerung einfach aus – die Option dazu bieten zum Glück alle Geräte.

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