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Title: Haushalt
Praxistest

Smarte Gartenbewässerung: MIYO im Test

Ein junges Startup nimmt sich dem Thema Garten an und will diesen smart machen. Unser Autor Chris hat das smarte Bewässerungssystem von MIYO selbst getestet.

© Chris Bertko / MIYO Bewässerungsset

© Chris Bertko / MIYO Bewässerungsset

Sommer-Endspurt! Der ein oder andere hat noch seinen Urlaub ausstehen. Den englischen Rasen mäht währenddessen der Rasenmähroboter – klar, doch wer soll sich um die geliebten Pflanzen im Garten kümmern?

Wer nicht mit Magnetventilen basteln will, wie ich es im letzten Jahr in diesem Artikel gezeigt habe, der kann entweder auf das smarte Bewässerungssystem von Gardena zurückgreifen, welches ich vor kurzem hier getestet habe oder aber man setzt auf das neue Bewässerungssystem von MIYO. Mit smarter Steuereinheit, Bodenfeuchtigkeitssensor und Magnetventil tritt das junge Startup klar gegen das System von Gardena an. Außer Elgato Eve (und auch hier gibt es nur ein Magnetventil mit Bluetooth Steuerung inkl. HomeKit Support) gibt es auch diesen Sommer kaum Alternativen für die smarte Bewässerung.

© Chris Bertko / Unpacking des MIYO Startersets.

Daher lohnt sich ein Blick auf das neue Bewässerungssystem von MIYO umso mehr.

Auspacken

Das Starterset umfasst die Steuerbox (einfach „Cube“ genannt), den Bodensensor und das Magnetventil. Löblicherweise werden Bodensensor, sowie Magnetventil via Solarzellen angetrieben. Aber nur auf den ersten Blick! Die Batterie ist fest verbaut und kann nicht getauscht werden. Ist der Wasserhahn auf der Nordseite des Hauses verbaut, kann es knapp werden mit der Sonne. Eine alternative Spannungsquelle – wie es Gardena mit den Batterien anbietet – gibt es nicht.

© Chris Bertko / MIYO Magnetventil - Stromversorgung via Solar.

Bodensensor, Ventil und vor allem die Steuerbox sind sehr leicht. Für meinen Geschmack und im Hinblick auf die Assoziation von Haptik und Wertigkeit etwas zu leicht. Die Verarbeitung sieht jedoch hervorragend aus. Dadurch, dass die Batterien nicht wechselbar sind, kann das Gehäuse natürlich auch vollständig gegossen sein und trotzt somit jeder Witterung – fast jeder, bis auf Frost.

Installation

Zunächst wird der Cube via Netzwerkkabel an den Router angeschlossen. Mit diesem werden dann die Sensoren und Ventile via Funk verbunden. Der Cube ist quasi die Steuereinheit und die Brücke zwischen dem herstellereigenen Funksystem – und dem heimischen Netzwerk.

Daher hätte ich mir zusätzlich zum LAN Anschluss, optional eine WLAN Verbindung gewünscht, um in der Positionierung des Cube flexibler zu sein.

© Chris Bertko / MIYO Steuerbox - wird via LAN an den Router angeschlossen.

Da mein Garten ca. 25 Meter vom Haus entfernt ist, habe ich eine WLAN Bridge verwendet, um den MIYO Cube in meiner Garage (welche unmittelbar am Garten liegt) installieren zu können. Denn neben der Netzwerkverbindung benötigt der MIYO Cube auch eine Stromversorgung via Micro USB Kabel und Netzstecker. Es ist das einzige Geräte aus der MIYO Familie, welches eine (externe) Stromversorgung benötigt.

Für die Einrichtung wird die MIYO Smartphone App benötigt, welche es im iOS, bzw. Android App-Store zum kostenlosen Download gibt. Für die Nutzung ist zwingend das Erstellen eines Nutzeraccounts – und damit verbunden – die Registrierung an der MIYO Cloud nötig. Unschön. Ich mag Cloud im Smart Home nicht. Ein Wermutstropfen: Nach der Einrichtung ist der Betrieb der smarten Bewässerung auch ohne Cloud möglich. Fällt das Internet also mal aus, erhält der Rasen dennoch sein kühles Nass.

Um den Cube mit dem soeben erstellten Nutzeraccount zu verbinden, muss zunächst der Knopf auf der Rückseite des Cube kurz gedrückt werden, um die Steuerbox in den passenden Modus zu versetzen. Danach kann mithilfe der MIYO App der QR-Code auf der Unterseite gescannt werden. An dieser Stelle benötigt der Cube zwingend eine Internetverbindung, da er sich am Server von MIYO anmeldet.

Weiter geht es in der App mit der Konfiguration des Gartens. Neben einem kreativen Namen für diesen, benötigt das System nun auch noch die Adresse. Nur so kann das MIYO Bewässerungssystem die korrekte Wettervorhersage laden. Zynischerweise könnte ich jetzt sagen: Hätte man auch WLAN in den Cube gebaut, könnte man dem Nutzer diesen Schritt ersparen. Denn anhand des WLAN Netzwerks lässt sich sehr genau der Standort bestimmen.

Einrichtung: Bewässerungsbereiche, Sensoren und Ventile

Jedem Garten können mehrere Bewässerungsbereiche zugewiesen werden. Legt man einen neuen Bewässerungsbereich an, so wird man aufgefordert diesem ein Ventil zuzuordnen. Um es mit dem Cube zu verbinden, muss der mitgelieferte Magnet mittig über den oberen Rand der Solarzelle gelegt werden. Dadurch wird im Inneren ein sogenannter Reed Kontakt geschlossen und das Ventil startet den Anlernvorgang. Das signalisiert eine grüne LED am Ventil. Danach genügt ein Klick in der App auf den Button „Suchen“, um beide Geräte miteinander zu verbinden.

Im nächsten Schritt kann der Bodensensor hinzugefügt werden. Dieser wird ganz analog zum letzten Schritt via Magnet in den Anlernvorgang versetzt. Hat man keinen Sensor gekauft oder möchte für den Bereich keinen Sensor verwenden, so kann dieser Schritt der Konfiguration auch einfach mit einem Klick auf „Weiter“ übersprungen werden. Ohne den Bodensensor funktioniert jedoch die bedarfsabhängige Steuerung nicht. Im Gegensatz zum Gardena Bewässerungssystem, werden beim MIYO System nicht nur Bewässerungszeiten einfach ausgelassen, sofern der Boden feucht genug ist, sondern es werden für die Entscheidung ,ob bewässert werden muss oder nicht auch die Bodenbeschaffenheit, Wettervorhersage und die lokalen Sensordaten zur Entscheidung herangezogen. Hier liegt das junge Startup in Punkto Intelligenz klar vorn.

Die Informationen über Bodenbeschaffenheit, zu bewässernde Pflanzenart, verwendeter Bergner und so weiter, muss direkt im nächsten Schritt der Konfiguration in der MIYO App angegeben werden.

© Chris Bertko / MIYO App - Auch die Bodenbeschaffenheit spielt bei der Bewässerung eine Rolle.

Im letzten Schritt können noch Zeiträume angegeben werden, in denen bewässert werden darf. Hat man zum Beispiel einen Rasenmähroboter via Zeitplan programmiert, so kann die Bewässerung – auch wenn diese bedarfsgesteuert ist – darauf abgestimmt werden.

© Chris Bertko / MIYO App - Auch ein Zeitraum, in dem bewässert werden darf, kann festgelegt werden.

Die Eingabe der Zeiträume erfolgt pro Wochentag einzeln. Hier hätte ich mir eine „Kopieren“ Funktion gewünscht, da sich die Einstellungen vieler Tage (vor allem unter der Woche) doch sehr ähneln.

Montage – Ventil und Sensor

Das Ventil kann ganz einfach an den Wasserhahn angesteckt werden. Es verfügt über die handelsüblichen Schnellkupplungen, so dass auf der anderen Seite auch ganz einfach der Wasserschlauch angesteckt werden kann. Auch hier ist die Verarbeitung sehr gut, sodass Zulauf als auch der Schlauchanschluss perfekt abdichten. Das Ventil benötigt einen Mindest-Wasserdruck von 0,5 bar und hält einem Wasserdruck bis 8 bar stand.

© Chris Bertko / MIYO Bewässerungsventil - regelt die Wasserzufuhr.

Was mir allerdings negativ auffiel, war das Fehlen von lokalen Bedienelementen. Dadurch kann man das Ventil bei Bedarf nicht mal eben manuell öffnen. Unpraktisch. Die Schaltung des Magnetventils erfolgt sowohl nach dem manuellen Schalten in der App, als auch nach dem automatischen Schalten sehr verzögert. Die Verzögerung variierte im Test zwischen 10 Sekunden bis hin zu 30 Sekunden.

Die automatische Schaltung funktioniert auch dann, wenn keine Internetverbindung besteht. Wie eingangs beschrieben erwarte ich dies auch von einem Bewässerungssystem. Alles andere wäre ein No-Go.

© Chris Bertko / Bewässerungsventil muss nicht direkt am Wasserhahn verwendet werden.

Bodensensor

Der Bodensensor gibt nicht nur Auskunft über die Bodenfeuchtigkeit, sondern auch über die Lufttemperatur und die aktuelle Helligkeit. Er sollte nicht wie ein Erdnagel in den Boden gerammt werden, sondern in ein zuvor ausgehobenes Erdloch gesetzt und dieses mit loser Erde angefüllt werden.

© Chris Bertko / MIYO Bodensensor liefert Messwerte über Bodenfeuchtig, Lufttemperatur und Helligkeit.

Die sensorgesteuerte Bewässerung funktionierte im Test sehr gut. Neben der Bodenfeuchtigkeit hat auch die während der Konfiguration gewählte Bodenbeschaffenheit, sowie die Wettervorhersage Einfluss auf die Bewässerungsdauer. Auch in diesem Punkt ist das Startup um MIYO dem Goliath „Gardena“ einen Schritt voraus.

Hobby Meteorologen kommen voll auf ihre Kosten, denn im Bereich „Statistik“ können alle Werte des Bodensensors in einem Verlaufsdiagramm grafisch dargestellt werden.

© Chris Bertko / MIYO App stellt alle Messwerte in einem Verlaufsdiagramm grafisch dar.

Wer weitere Bereiche anlegen möchte oder mehrere Ventile in einem Bereich benötigt, der kann beherzt zugreifen, denn der Cube kann bis zu 255 Geräte verwalten. Begrenzt wird der Spaß wohl nur durch den Preis. Das Starterset mit Cube, Ventil und Bodensensor kostet 349 Euro. Bei Einzelnachkauf schlägt sowohl das Ventil als auch der Bodensensor mit 119 Euro zu Buche. Damit spielt das junge Startup preislich in der gleichen Liga wie Gardena. Denn da kostet das Ventil ca. 130 Euro, den Bodensensor gibt’s ab 90 Euro.  

In einem Punkt hat das Gardena System natürlich die Nase vorn: Das breite Portfolio. Da ist nach Ventil und Bodensensor noch lange nicht Schluss, denn schließlich gibt es noch die Sileno Mähroboter, die Gardena Wasserpumpen, den Zwischenstecker und sogar Geräte von Drittanbietern (wie zum Beispiel die Außenkamera von Netatmo) können integriert werden.

Positiv sei an dieser Stelle jedoch die Kompatibilität des MIYO Systems zu dem Online Automatisierungsdienst IFTTT erwähnt. Somit können andere Geräte oder Smart Home Systeme die Bewässerung ein- oder ausschalten. Auch eine Regenerkennung kann via IFTTT an das MIYO System gesendet werden – zum Beispiel durch die Verknüpfung mit der Netatmo Wetterstation.

Fazit

Das MIYO Bewässerungssystem mit seinen solarbetriebenen Geräten birgt viel Potential und macht als junges Startup vieles richtig. In Punkto Intelligenz hat es meiner Meinung nach sogar schon die Nase vorn, im Vergleich zu den Platzhirschen des Markts. Der Preis spielt allerdings auch schon in dieser Liga der großen mit. Nichtsdestotrotz ist das System die ideale Ergänzung für jeden, der nicht nur seine Wohnung smart wissen will.

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