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Smart Home

Alles über das smarte Wohnen

Xing-Gründer Lars Hinrichs

Dieser Mann baut das schlaueste Haus Deutschlands!

In Hamburgs feinster Lage plant Visionär Lars Hinrichs ein Haus, das seinen Bewohnern jeden Wunsch erfüllt, bevor dieser ausgesprochen wird. Wir haben in interviewt.

Lars Hinrichs entwirft smarte Häuser.

© Lars Hinrichs

Türen können per Bluetooth LE erkennen, wer vor ihnen steht, der Briefkasten gibt Bescheid, wenn Post darin ist, für die Dusche lassen sich individuelle Duschprogramme erstellen, die Waschmaschine nutzt geringe Auslastzeiten des Stromnetzes und der Ofen schickt eine Warnung, bevor der Braten verbrennt. Wir sprachen mit Lars Hinrichs über die Zukunft des Wohnens und der potenziellen Abhängigkeit der Bewohner von ihrer Technik.

Herr Hinrichs, wie kamen Sie auf die Idee, ein smartes Haus zu bauen?

Lars Hinrichs: Die Idee ist eigentlich aus der Not heraus geboren. Kurz nachdem ich die Immobilie gekauft hatte, wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt. Und das Nachbargrundstück, das ich ebenfalls erworben hatte, wurde nicht frei. Von daher hatte ich vier Jahre Zeit, mir zu überlegen, was ich eigentlich will. So kam der Entschluss, das Produkt Mietwohnung neu zu erfinden. Und Technik ist eben ein Element davon.

Ist das nicht ein wenig tief gestapelt? Immerhin strotzt Ihr Haus vor smarten Gadgets.

Ja, aber die Technik gibt es ja nicht um der Technik wegen. Sie haben damit die Möglichkeit, ein Produkt neu zu definieren. Das Produkt Miete bedeutet heute: Quadratmeter, Anzahl Zimmer, Lage, unbefristeter Zeitraum. Mieter bekommen eine leere Wohnung, in der vielleicht noch ein paar Glühbirnen hängen und zusätzlich 14 Verträge, die man direkt oder indirekt abschließt, beispielsweise für Telefon, Fernsehen oder Nebenkosten. Ich dagegen baue ein Haus für eine Zielgruppe: Leute, die temporär nach Hamburg kommen und sich ohne Probleme eine Mietwohnung oder ein Haus kaufen könnten. Diesen biete ich ein Produkt an: Kubikmeter Lebensqualität in bester Lage auf begrenzte Zeit zum Flat-Tarif. Die Lebensqualität fängt schon bei der Raumhöhe an: Wir haben 3,70 Meter hohe Decken, das gibt es normal in einem Neubau nicht. Wenn man das erweitert um Dinge, die das Leben einfacher und schöner machen, und Marken, die man alle gerne im Eigentum hätte ­– Dornbracht, Kaldewei, Miele, Osram oder DHL – dann schafft man sozusagen die fünfte Kategorie des Wohnens. Man kombiniert das Zuhause-Gefühl einer Mietwohnung, den Qualitätsanspruch, den ich mir nur im Eigentum leisten würde, den Service-Level eines Hotels und die Flexibilität eines Boarding-Hauses. Und das Ganze als Flatrate. Der größte Kostenblock ist Energie. Wenn ich es mit der ganzen Technik schaffe, massiv die Nebenkosten zu senken, dann wird Technik ein Gewinntreiber.

Wie sieht denn die Technik im Apartimentum konkret aus?

Alle Firmen, die für mich entwickeln und entwickelt haben oder ihre Produkte zum ersten Mal bei mir einsetzen, haben sehr früh auf den universalen Standard IP gesetzt und nicht auf alte Smart-Home-Ideen wie KNX oder EIB. Ich komme ja aus der Internet-Welt und weiß, dass IP die Sprache für alles ist, und das Internet der Dinge kann letztendlich nur in solchen Protokollen stattfinden. Bei dem alten System haben Sie in der Regel irgendwo einen Flatscreen hängen, der den Mensch zum Schalter macht. Sie sehen etwas, wollen etwas ändern und drücken irgendwo drauf. In meiner Welt sprechen die Geräte miteinander. Wenn ich mich mit dem Smartphone meiner Tür nähere, erkennt das smarte Schloss mein Bluetooth LE und die Tür geht wie im Kaufhaus automatisch auf. DHL bringt seinen Paketkasten im Apartimentum zur Marktreife. Wir haben Osram Lightify in der Pro-Version installiert, so dass ich ohne Probleme per Smartphone das optimale Licht bestimmen kann oder per Licht geweckt werde. Wenn die Wohnung weiß, wie spät es ist und ob jemand zu Hause ist, dann wird beispielsweise beim nächtlichen Toilettengang ein ganz warmes Licht mit hohem Rotlichtanteil ausgestrahlt, bei dem man sofort wieder einschlafen kann. Und wenn niemand in der Wohnung ist, kann man aktiv Energiemanagement betreiben und alles herunterfahren. Das Produkt Miete im 21. Jahrhundert ist kein Vertrag mehr auf Ewigkeit, sondern geht eher in Richtung Shared Economy und richtet sich an Leute, die immer mobiler werden. Und da geht es eben nicht mehr um Quadratmeterpreise, sondern um Kubikmeter Lebensqualität für einen festen monatlichen Betrag.

Wie hoch ist denn dieser feste Betrag?

Der beginnt bei 1.400 Euro und geht bis zirka 10.000 Euro. Das entspricht einem Kubikmeterpreis von zehn bis zwölf Euro. Das ist Shared Economy im Highend-Segment. Meine Mieter können im Prinzip mit einem Koffer voll Klamotten anreisen und finden bei der Ankunft W-LAN, Waschmaschine, Trockner und Flatscreen bereits vor.

Sind Waschmaschine und Trockner auch vernetzt?

Natürlich, alles ist vernetzt im Apartimentum. Ich glaube, wir haben 57 intelligente Geräte im gesamten Haus.

Wie lange hat es gedauert, bis sich alle verstanden haben?

Noch verstehen sie sich nicht alle. Sie gehen höchstwahrscheinlich von der Grundvorstellung einer übergreifenden, intelligenten Haus-App aus. Davon gehe ich nicht aus. Wir haben zehn unterschiedliche Apps, die zum Teil miteinander sprechen, zum Teil aber auch nicht. Wichtig ist letztendlich, dass der Anwender das Haus bedienen kann. Und jeder, der ein Smartphone benutzen kann, kann auch dieses Haus benutzen. Die Idee, eine App für alles zu haben, kann gar nicht funktionieren. Wenn beispielsweise Dornbracht ein Lady-Gaga-Duschprogramm entwickelt, kann man das in einer übergreifenden App gar nicht umsetzen.

Wie abhängig sind die Apartimentum-Mieter denn davon, dass die Technik funktioniert und was passiert, wenn der W-LAN-Router streikt oder das Internet ausfällt?

Wir haben mit der Telekom pro Wohnung 100 Megabit Glasfaser dediziert. Damit dürfte das Apartimentum das bestvernetzte Haus Deutschlands sein. Dediziert bedeutet das Gegenteil von DSL. Ich teile mir nicht mit der Straße meine Bandbreite, sondern jeder Mieter hat hier 100 Megabit dediziert. Früher hatten Hochrechenzentren solche Anbindungen. Außerdem haben wir 45 Repeater im Haus installiert. Egal ob Sie im Fahrstuhl oder in der Tiefgarage sind, Sie haben immer beste Mobilfunkanbindung. Nur das kleine Kupferkabel für den Telefonanschluss gibt es bei uns nicht mehr.

Wenn man über Smart Home und Internet of Things spricht, kommt man schnell auch immer auf den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre zu sprechen. Was für Folgen hat es denn, wenn Google dank Nest jetzt auch noch weiß, wann ich zu Hause und in welchem Zimmer bin?

Ich stelle dann immer erstmal die Gegenfrage: Haben Sie denn auch ein Facebook-Profil? Wer auf das verzichten kann und vielleicht auch gar kein Smartphone benutzt, weil sonst ja Apple alles über ihn weiß, der ist wirklich nicht der richtige Mieter für mich. Es ist schon bemerkenswert, dass der Thermostat von Nest, der über der Wand hängt, über das W-LAN mit dem Router spricht, mit dem Router ins Internet geht und mit der Nest-Cloud spricht. Die Nest-Cloud spricht mit der Belimo-Cloud und die Belimo-Cloud spricht über das Internet mit dem Belimo-Regler in der Zentralheizung und die Zentralheizung dann wiederum mit dem Zimmer, in dem ich gerade die Temperatur einstelle. Und das ist sicherer als alles, was ich sonst zu Hause machen kann. Der Gira-Homeserver beispielsweise wird ausgeliefert mit einer uralten Version von Windows, die bestimmt schon 20 Mal gehackt wurde. Das Standardpasswort ist „Admin Admin“. Der Fehler bei den meisten Sicherheitsproblemen sitzt in der Regel zwischen Stuhl und Tastatur.

Wie vernetzt wohnen Sie denn selbst?

Zu Hause hab ich alles das, was nicht funktioniert. Über das Klink-Smart Home rege ich mich jeden Tag auf. Wenn ich das Apartimentum fertig habe, rüste ich bei mir zu Hause nach. Klar, Nest und die Nest Cam und Nest Protect habe ich schon. Und auch die neuen Produkte von Elgato. Wir haben ja gerade den Krieg der Betriebssysteme – mit Apple auf der einen und Google und Nest auf der anderen Seite. Daneben gibt es noch ein paar andere offene Systeme, die sicher auch eine Berechtigung haben. Aber einer von den beiden wird den Massenmarkt eher erobern als der andere.

Und wem räumen Sie die größeren Chancen ein?

Derzeit steht es unentschieden. Bei Homekit gibt es noch fast keine Produkte. Elgato ist der einzige aus Europa kommende Anbieter, der Homekit integriert hat. Was ich als Plattform noch extrem spannend finde und was auch für uns als Anwender extrem gut funktioniert ist IFTTT („If this then that). Damit kann man super einfach richtig tolle Anwendungen bauen. Es gibt viele Rezepte, die man einfach downloaden und bei sich implementieren kann. So kann dann beispielsweise zu Hause alles pink leuchten, wenn eine Frau mit ihrem Fitbit 10.000 Schritte erreicht hat. Oder es blinkt das Licht, wenn die ISS über mich fliegt.

Welche Zukunftsvision haben Sie vom Internet of Things?

Wenn wir im Haushalt bleiben, dann hat es Sinn, über Zimmer nachzudenken. Ist das Badezimmer noch das Badezimmer oder wird es zum Messzimmer? Es gibt heute sehr coole Anwendungen, die über Gesichtserkennung feststellen können, ob ich krank oder gesund bin. Das Ankleidezimmer wird zum Adaptionszimmer. Basierend auf Einträgen aus meinem Kalender, dem Wetterbericht und meinem Schrankinventar erhalte ich dort Vorschläge, was ich heute anziehen soll. Im Schlafzimmer wird man dank smarter Technik und neuen Komfortmöglichkeiten besser schlafen als je zuvor. Alles, was digital sein kann, wird digital werden. Und das wird auch vor dem Aufenthaltszimmer, also Wohn- oder Esszimmer nicht stopp machen.

Bis wann, glauben Sie, wird aus dieser Vision Wirklichkeit?

Wir befinden uns ja auf der zweiten Hälfte des Schachbrettes. Ganz viele Sachen, an die wir vorher nie gedacht haben, sind heute ganz schnell möglich. Das selbstfahrende Auto beispielsweise war vor zehn Jahren ein Ding der Unmöglichkeit. Aber in den nächsten zwei Jahren werden wir davon ganz viele auf der Straße haben.

Und wann setzt sich Smart Home auf breiter Basis durch?

Es setzt sich mehr und mehr durch, weil wir IP nutzen und IP nur noch ein Zehntel des Preises kostet. Was ich fast noch spannender finde, ist, dass sich neue Preismodelle entwickeln. Für meine VGA-Video-Lösung habe ich zu Hause 11.000 Euro ausgegeben, habe ein schlechtes Bild und fünf Kameras. Und als mein Auto vor der Tür geklaut wurde, konnte ich die Bilder nicht exportieren. Was für ein Schrott. Bei Nest mit Dropcam kostet eine HDE-Kamera mit Nachtsicht und allem Drum und Dran 190 Dollar. Das sind Modelle, die im Internet gelebt worden sind und dadurch funktionieren. Wenn sich das Apartimentum in Hamburg bewährt, kann ich mir gut vorstellen, daraus ein Produkt zu machen, das ich ausrolle.

Herr Hinrichs, wir danken für das Gespräch!

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