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Smart Home

Alles über das smarte Wohnen

Teil 3: Dos and Don’ts

Fiese Stolpersteine im intelligenten Zuhause

Der Aufbau eines Smart Homes klingt so einfach, doch es lauern Tücken. Wir verraten, wie man diese Fallen umgeht.

Hand bedient Tablet mit Wohnhaus im Hitergrund

© Syda Productions /Fotolia.com

Kaufen, auspacken, anschließen und nutzen – so einfach ist die Einrichtung des eigenen Smart Homes, wenn man den Herstellern entsprechender Geräte glauben möchte. Auch wenn die Benutzerfreundlichkeit in den letzten Jahren stark zugenommen hat, so gibt es immer noch Stolpersteine auf dem Weg zum intelligenten Zuhause.

Protokollchaos ist das größte Problem

Wer in die Smart-Home-Welt einsteigt und zu einem der typischen Starterpakete der Anbieter greift, wird sich zum Thema „Protokoll“ kaum Gedanken machen. Das ist verständlich, denn die Gadgets eines Herstellers sind untereinander natürlich voll kompatibel. Da interagieren das Thermostat reibungslos mit dem Fensterkontakt und der Bewegungsmelder tadellos mit dem Zwischenstecker. Dass dies so ist, liegt an der gemeinsamen „Sprache“, die die Geräte sprechen, dem sogenannten Protokoll.

Wer sein Smart Home später erweitern möchte und merkt, dass der bisherige Anbieter seines Vertrauens ein bestimmtes Gerät gar nicht oder nicht mehr im Sortiment hat, muss auf einen anderen Hersteller zurückgreifen, der das gleiche Protokoll nutzt. Handelt es sich dabei jedoch um einen exotischen, wenig verbreiteten Standard, wird genau das zum Problem.

Daher sollte man schon beim Kauf der ersten Komponenten darauf achten, wie groß das Repertoire der angebotenen Geräte ist – und zwar herstellerübergreifend. Hier zu nennen sind vor allem die Protokoll-Standards ZigBee und Z-Wave, die von zahlreichen Herstellern aus dem Smart-Home-Bereich unterstützt werden. Entsprechend groß ist die Auswahl an unterschiedlichen Geräten, die potenziell miteinander kompatibel sind. 

Auf Kompatibilität und Erweiterbarkeit achten

Allerdings muss eine gleiche Protokoll-Sprache nicht unbedingt volle Kompatibilität bedeuten. Gerade wenn ein Hersteller spezielle Funktionen einbaut, die so nicht dem gemeinsamen Standard entsprechen, kann es sein, dass diese nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es – wie etwa bei ZigBee – hier und da nochmals verschiedene Unterprotokolle, die ebenfalls nicht zueinanderpassen. Man muss also schon sehr genau hinschauen.

Es sind ebenfalls Hersteller auf dem Markt, die die Funkstandards WLAN, Bluetooth und DECT nutzen, um die Wohnung smart zu vernetzen. Diese Technologien sind in unserem Alltag zwar bereits lange und stark verbreitet (beispielsweise DECT für Schnurlostelefone, WLAN für drahtloses Internet, Bluetooth für Smart Watches oder Kopfhörer), doch die Auswahl an kompatiblen Geräten und passenden Herstellern ist zumindest derzeit noch überschaubar. Das könnte sich ändern, aber ob diese Protokolle jemals eine so breite Akzeptanz wie die oben genannten Standards erhalten, ist ungewiss.

Bei diesem Durcheinander kann also eine Steuerzentrale ein Segen sein, die verschiedene Standards unterstützt. So gibt es etwa den Homee Cube für rund 130 Euro, der per Erweiterung (je knapp 100 Euro) Z-Wave und/oder EnOcean (ein weiterer Funk-Standard) unterstützt. Auch ZigBee soll irgendwann einmal möglich sein. Die Steuerzentrale Gateway von Schwaiger beherrscht jetzt schon Z-Wave und ZigBee und kostet etwa 250 Euro. Über einen USB-Anschluss ließe sich theoretisch ein weiteres Protokoll anbinden, einen entsprechenden USB-Stick gibt es aber noch nicht.

Steuerzentrale Homee Cube

Protokoll-Dschungel: die wichtigsten Fragen

  • Welchen Standard nutzt die Lösung meiner Wahl? Handelt es sich um ein weitverbreitetes Protokoll wie ZigBee oder Z-Wave?
  • Lässt sich das System später einfach erweitern, weil zum Beispiel auch andere Hersteller den Standard unterstützen?
  • Möchte ich auf DECT, Bluetooth oder WLAN als Übertragungsstandard setzen, obwohl es sich dabei im Smart-Home-Bereich zumindest derzeit noch um Exoten handelt?
  • Kaufe ich gleich eine Steuerungszentrale, die mehrere Protokolle unterstützt bzw. sich entsprechend erweitern lässt (etwa Qivicon, Homee oder Schwaiger)?

Funkloch im Schlafzimmer?

Neben dem Protokollchaos kann auch die Reichweite drahtloser Smart-Home-Lösungen ein Problem sein. Im Freien können die genannten Funkstandards durchaus mehrere hundert Meter überbrücken. Doch kommen die Geräte überwiegend innerhalb der eigenen vier Wände zum Einsatz, und hier bestimmen neben Frequenzen und Sendeleistung auch die architektonischen Besonderheiten des Hauses die Reichweite.

Wer zu Hause WLAN nutzt, kennt vielleicht das Problem, dass nicht in allen Räumen oder in jedem Winkel der Wohnung guter Empfang herrscht. Gleiches kann mit der Verbindung zwischen Smart-Home-Basis und -Gerät passieren. Möchte man etwa mehrere Etagen vernetzen, kann das zum Problem werden. Durch sogenannte Repeater, die das schwache Funksignal aufnehmen und verstärkt weiterleiten, lässt sich dieses Problem lösen. Smart Homes auf Z-Wave-Basis benötigen diese Hilfe jedoch nicht, denn hier werkelt jedes Gadgets gleichzeitig als Empfänger und Sender. So vergrößert sich das Netz automatisch und die Reichweite ist nicht abhängig von der Leistung und dem Standort der Basis.

Letztere ist sowieso oft mit dem WLAN-Router verbunden, um das Smart Home auch von unterwegs via Smartphone zu steuern. Der Standort der Steuerzentrale ist somit häufig an den Standort des Routers gebunden – zumindest dann, wenn man dafür ein Netzwerkkabel benutzt.

Nur Apple- und Android-Nutzer sind sicher

Apropos Smartphone: Die Steuerung per Handy gehört zu den interessantesten Features der Smart-Home-Geräte. Von unterwegs übers Internet oder bequem von der Couch aus lässt sich so die Heizung regeln, das Licht anschalten oder der Nachwuchs im Bettchen per Videokamera überwachen. Doch meist bieten die Hersteller nur Apps für iOS oder Android. Wer also kein Smartphone oder Tablet mit Apple- oder Google-Betriebssystem besitzt, geht leer aus. Für Windows Phone oder etwa Blackberry OS gibt es kaum eigene Apps. Nutzer können hier höchstens per Browser auf ein Webinterface zugreifen, das aber nicht immer für die kleinen Handy-Displays ausgelegt ist. Ob der Hersteller eine App für das eigene Smartphone anbietet, sollte man also vor dem Kauf der Smart-Home-Komponenten klären.

Dass Geräte wie zum Beispiel ein smarter Rauchmelder Batterien benötigen, ist den meisten Menschen sofort klar. Immerhin beziehen auch herkömmliche Rauchmelder auf diese Weise Strom. Dass aber beispielsweise ein smartes Thermostat ebenfalls Batterien braucht, kommt einem im ersten Moment nicht in den Sinn. Da es aber im Gegensatz zu einem klassischen Thermostat mehr als nur ein einfacher Drehregler ist, geht es nicht anders. Schließlich betreibt es einen eigenen kleinen Motor, um die Heizung zu regeln. Smart-Home-Einsteiger müssen sich also darüber im Klaren sein, dass viele Geräte, die keinen direkten Netzanschluss besitzen, stattdessen Batterien benötigen – die von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden müssen.

Heizkörperthermostat von Devolo an einer Heizung

Einbruchschutz vs. Persönlichkeitsrecht

Zu einem Stolperstein kann auch der Einsatz einer Webcam zur Überwachung des eigenen Grundstücks führen. Viele Anbieter von Smart-Home-Technik haben diese Kameras inzwischen ins Sortiment aufgenommen, um das Heim beispielsweise gegen Einbrecher abzusichern. Dabei sollten Nutzer aber darauf achten, dass eine Videokamera im Außenbereich tatsächlich nur auf das eigene Grundstück gerichtet ist und nicht Gehsteig und Straße filmt.

Denn in der Vergangenheit haben Gerichte schon geurteilt, dass dieses Vorgehen aus Sicht des Datenschutzrechtes relevant ist. Es könnte also sein, dass etwa Passanten oder Autofahrer gegen den Besitzer solch einer Kamera vorgehen, wenn sie davon erfahren, dass sie gefilmt wurden. Es hat sogar schon Fälle gegeben, in denen ein Einbrecher, den die Kamera auf frischer Tat ertappt hatte, gegen diese Aufnahmen rechtlich vorgegangen ist. Die Begründung: Der Kriminelle sah sein Persönlichkeitsrecht verletzt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, richtet die Linse also maximal auf den Gartenzaun oder die Einfahrt aus.

 

Smart-Home-Stolpersteine auf einen Blick:

  • Uneinheitliche Funkstandards erschweren die Kombination verschiedener Geräte unterschiedlicher Hersteller.
  • Drahtlose Smart-Home-Lösungen können wie jedes Funksystem unter schlechter Verbindung und mangelnder Reichweite leiden.
  • Viele Hersteller bieten meist nur Apps für iOS und Android an, Windows-Phone-Nutzer gehen oft leer aus.
  • Fast alle smarten Geräte benötigen Strom – entweder aus der Steckdose oder per Batterie.
  • Kameraüberwachung sollte strikt auf das eigene Grundstück beschränkt werden.

Fazit

Dass es derzeit noch keinen einheitlichen Funkstandard gibt, ist momentan wohl der größte Stolperstein auf dem Weg zum smarten Zuhause. Da in den nächsten Jahren kaum Besserung in Sicht ist, müssen sich Smart-Home-Einsteiger genau informieren, bevor sie sich für eine Lösung entscheiden. Das gilt ebenso für die Steuerung per Smartphone-App und die Reichweite bei der intelligenten Heimautomation. Kaufen, auspacken, anschließen und nutzen ist jedenfalls einfacher gesagt als getan.

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