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Sprachsteuerung

Holen wir uns Wanzen ins Wohnzimmer?

Google Home, Alexa & Co. helfen uns im Alltag, werfen aber auch Fragen zum Datenschutz auf. Was passiert mit den gesammelten Informationen?

© zapp2photo / Fotolia

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Digitale Sprachassistenten wollen unser bester Freund sein, uns alltägliche Aufgaben abnehmen, unser Smart Home steuern und Wissensfragen auf Zuruf beantworten. Wie aber sieht es mit den Daten aus, die erzeugt werden, wenn wir uns elektronisch über das Wetter in unserer Stadt erkundigen? Und wie sieht es mit Daten aus, die erzeugt werden, wenn wir unsere digitalen Sprachassistenten nicht aktiv einsetzen?

So funktionieren Sprachassistenten

Das Grundprinzip der digitalen Sprachassistenten ist schnell erklärt. Die Geräte hören im Hintergrund ihre Umgebung ab und erwachen bei einem bestimmten Schlüsselwort zum Leben. Daraufhin codieren sie die ihnen gestellte Frage oder Aufgabe, schicken sie an ein Datencenter ihres Herstellers, und übertragen die dort erstellte Antwort zurück auf das Mobiltelefon oder den Sprachassistenten. Während dieses Prozesses werden eine Menge digitale Informationen erstellt, die dann auf den Servern von Amazon, Apple und Google zurückbleiben.

Skepsis in Deutschland überwiegt noch

Eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom hat im Oktober 2016 ergeben, dass 39% der Befragten sich vorstellen können, digitale Sprachassistenten zu nutzen. Das sind gerade einmal vier von zehn Teilnehmern, die eine Nutzung in Betracht ziehen. Für 61% kommt das noch nicht infrage. 73% der Menschen, die kein Interesse an einem Sprachassistenten haben, begründen dies damit, dass sie keine Daten an die (ausländischen) Unternehmen abgeben wollen. Es existiert also immer noch eine sehr hohe Skepsis in der Bevölkerung.

© Apple / Per Sprachbefehl über Siri Remote lässt sich Apple TV steuern. Doch wohin mit diesen Daten?

In die gleiche Kerbe schlägt die Verbraucherzentrale. In einer Veröffentlichung vom Januar 2017 weist der Verband darauf hin, dass beispielsweise Amazon Echo die ermittelten Daten auf Servern im Ausland speichert, für die deutscher Datenschutz nicht zwingend gilt. Außerdem moniert die Verbraucherzentrale den Umgang mit den Nutzungsrechten des Dienstes: „Amazon sichert sich in den Nutzungsbedingungen und seiner Datenschutzerklärung weitreichende Rechte für die übertragenen Daten, die mit der Nutzung von "Echo" anfallen." Mit anderen Worten: Durch die Nutzung der Services erhält der Anbieter die Rechte an den ‚in Auftrag gegebenen‘ Informationen.

Müssen wir uns also wirklich Sorgen machen?

Aufgrund seiner Marktposition steht Amazons Echo exponiert im Rampenlicht. Auch eine kleine Panne hat ihren Teil zur Aufmerksamkeit beigetragen. So hat ein Nachrichtenbeitrag im US-Fernsehen eine Flut von Puppenhausbestellungen über den Amazon-Dienst ausgelöst. Das ist sehr amüsant, zeigt aber auch Schwachstellen der Sprachassistenten auf und macht deutlich, wie unser Alltag mit den künstlichen Intelligenzen verknüpft wird. Meist ohne dass uns das bewusst wäre.

Amazon Echo und Alexa

Bleiben wir noch kurz bei Amazon. Der Echo Sprachassistent verfügt über sieben eingebaute Mikrofone, die ihre Umgebung jederzeit akustisch analysieren. Das ist notwendig, um das Aktivierungswort „Alexa“ erkennen zu können und daraufhin tätig zu werden. Aussagen des Unternehmens zufolge werden im Zuhörmodus Daten lediglich lokal verarbeitet. Erst nach Aktivierung des Assistenten werden die Sprachaufzeichnungen komprimiert auf die Firmenserver übertragen. Ohne persönliches Eingreifen bleiben sie dort allerdings auf unbestimmte Zeit und werden unter anderem dazu verwendet, die Verhaltensprofile der Kunden zu optimieren und so noch zielgenauere Kaufvorschläge machen zu können.

Allerdings lässt sich Echo auch deaktivieren. Dazu steht ein Mute-Button bereit. Wird dieser gedrückt, zeigt Echo durch ein rotes Licht an, dass er ausgeschaltet ist und nicht mehr zuhört. Dies ist der Moment, an dem man beruhigt über Kontodaten reden, oder sich dem Ausklang des Hochzeitstages widmen kann.

© Amazon / Der Spion im Wohnzimmer? Digitale Assistenten sammeln große Mengen von Informationen.

Apple Siri

Ähnlich verhält es sich mit Apples Sprachassistent Siri. Um beim Stichwort „Hey Siri“ erwachen zu können, sind auch die Apple-Geräte in permanenter Wachsamkeit. Die beim Zuhören entstandenen Daten werden angeblich nur lokal bearbeitet und permanent wieder überschrieben. Ausschließlich ernstgemeinte Anforderungen nach dem „Hey Siri“-Kommando werden verschlüsselt auf Apple-Server transportiert und dort verarbeitet. Diese Daueraufmerksamkeit lässt sich leicht in den Einstellungen deaktivieren. Siri kann danach immer noch durch einen langen Tastendruck auf den Home Button herbeigerufen werden, hört den Rest der Zeit aber nicht mehr zu.

Wer sich die Mühe macht, die Datenschutzregeln zu lesen wird dort auch klar darauf hingewiesen, was mit den gewonnenen Informationen geschieht. Dort schreibt Apple: “Beim Verwenden von Siri und der Diktierfunktion wird alles, was du sagst, bzw. diktierst, aufgezeichnet und an Apple gesendet, … Mithilfe dieser Daten können Siri und die Diktierfunktion auf deinem iOS-Gerät … dich besser verstehen und die gesprochenen Anfragen besser erkennen.“

© Screenshot Karsten Kunert / Siris Abhörmodus lässt sich mit einem Tipp deaktivieren.

Google Now, Google Assistant und Google Home

Google ist für seinen Datenappetit langläufig bekannt und macht bei seinen Sprachassistenten wenig verwunderlich keine Ausnahme. Der Dienst „OK Google“ zeichnet vom Handy aus seine Umgebung rund um die Uhr auf und speichert diese Daten auch. Nutzer können sich unter der Adresse myactivity.google.com selbst ein Bild davon machen, was der Datengigant im Laufe der letzten Zeit aufgezeichnet hat. Dazu gehören benutzte Apps genauso wie angesehen Videos, GPS-Daten und auch Tonaufnahmen.

Was seinen neuen Sprachassistenten anbelangt, so gilt für Google das gleiche wie für sein Pendant von Amazon. Google Home hört rund um die Uhr mit, kommuniziert mit seinen Servern angeblich aber nur dann, wenn das Gerät direkt angesprochen wird. Auch Google Home verfügt über einen Mute-Button, sodass der Dauerlauscher aus dem Spiel genommen werden kann.

© Google / Mit Hilfe des Mute-Knopfes kann man seine Privatsphäre vor Google Home schützen.

Microsoft Cortana

Weniger bekannt, aber auch weit verbreitet ist Microsofts Sprachdienst Cortana, der unter Windows 10 deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Zwar spielt Cortana in der Handywelt eine untergeordnete Rolle, ist dafür unter den Rechnerbetriebssystemen umso breiter aufgestellt. Und Microsoft unterscheidet sich in keiner Weise von seinen Mitbewerbern. Auch der Softwareriese sammelt unablässig Daten über seine Nutzer und speichert diese nicht nur auf den Geräten selber, sondern auch in der Cloud ab.

Tückisch dabei - Windows 10 verknüpft Geräte eines Nutzers untereinander. Das ist im Alltag sehr nützlich, weil die Daten synchronisiert werden und so stets topaktuell zur Verfügung stehen. Aus Datenschutzaspekten bedeutet das allerdings, dass im Zweifel jedes einzelne verbundene Gerät und zusätzlich die Kopien in der Cloud bereinigt werden müssen, wenn der Benutzer seine digitalen Spuren entfernen will.

Fazit

Wer sich im Internet bewegt, muss sich im Klaren darüber sein, dass er eine digitale Spur hinterlässt, was immer er auch tut. Das gilt für Suchanfragen bei Google genauso wie für Kommentare auf Facebook. Für diese vermeintlich kostenlosen Dienste zahlen wir mit unseren Daten und persönlichen Informationen.

Das ist im Falle digitaler Sprachassistenten nicht anders. Die Anbieter sammeln fleißig Informationen über ihre Nutzer und nutzen diese vorrangig dazu, ihm bessere, zielgerichtetere Ergebnisse präsentieren zu können. Wer damit nicht klar kommt, der lässt die Finger von den neuen Haushaltshilfen und schaltet die entsprechenden Programme auf seinem Smartdevice schnellstmöglich ab.

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