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Praxistest: WLAN System

Netgear Orbi: performantes WLAN überall?

Mithilfe neuester Technologie will Netgear das heimische WLAN revolutionieren. Kann das funktionieren?

© Karsten Kunert

© Karsten Kunert

Mit Orbi stellt Netgear ein Tri-Band-Mesh-WLAN-System für Heimnetzwerke vor, dass lückenlose WLAN-Abdeckung in so gut wie allen Wohnumgebungen verspricht. Was es mit dem Wort-Ungetüm auf sich hat, und wie sich das Gerät im Alltag schlägt, konnten wir uns in einem persönlichen Test genauer ansehen

Allgemeines: Warum mehr WLAN?

Der Bedarf an leistungsfähigen Netzwerk-Komponenten steigt kontinuierlich. Dafür sorgt auf der einen Seite die wachsende Zahl von elektronischen Geräten in den Haushalten und andererseits das steigende Datenvolumen, dass diese Geräte verbrauchen. In einer Zeit, in der Musik über Spotify gestreamt und klassisches Fernsehen sukzessive von Internet-TV-Diensten wie Netflix oder Amazon Prime etc. ergänzt wird, mutiert ein überfordertes Netzwerk ganz schnell zum Spielverderber.

Eine oft eingesetzte Lösung, das Netzwerk zu erweitern, ist deshalb die Verwendung von Repeatern. Diese sollen die WLAN-Abdeckung verbessern und die Reichweite des drahtlosen Netzwerkes erhöhen. Das klappt im Normalfall recht gut, allerdings hat die Sache einen Haken. Repeater stehen nämlich zwischen den Fronten und müssen gleichzeitig mit den Endgeräten und ihrer Basisstation kommunizieren. Das führt dazu, dass die Sendeleistung drastisch reduziert wird, weil sie immer in zwei Richtungen geht. Normalerweise ist das kein Problem, wenn es darum geht WhatsApp-Nachrichten und Emails zu schreiben. Soll aber ein HD-Film über WLAN gestreamt werden, ist die Sendeleistung häufig schnell überfordert.

Tri-Band-Mesh-WLAN-System

Dagegen will Netgear mit seinem Orbi-WLAN-System Abhilfe schaffen. Das Testset, das wir bekommen haben, besteht aus zwei Geräten - einem Router, der als Basisstation fungiert, und einem Satelliten, der das WLAN-Signal in andere Stockwerke transportiert und die Reichweite erweitert. Beide Sender bauen ein Dualband-WLAN auf 2,4 und 5 GHz auf, das unter einem einheitlichen Namen genutzt werden kann. Der Clou dabei ist aber das Tri-Band, denn von den sechs verfügbaren Antennen nutzt Orbi lediglich zwei, um Endgeräte zu unterstützen. Mit den verbleibenden Antennen bauen Router und Satellit ein 4x4-AC-WLAN-Funkband im 5-GHz-Bereich auf, das ausschließlich zur Kommunikation zwischen den beiden Geräten genutzt wird. Auf diese Weise wird der oben beschriebene Leistungsabfall, der bei Repeatern oft eintritt, verhindert.

Orbi ausgepackt

Wie bereits erwähnt, hatten wir ein zweiteiliges Testset zur Verfügung. Beim Auspacken fällt sofort die für Netzwerkkomponenten untypische Bauweise des Orbi auf. Keine Monsterantennen, die auf vermeintliche Sendeleistung hinweisen, sondern zwei zwar recht groß geratene, aber in dezentem Kunststoff gehaltene Komponenten, die von der Form her an eine ovale Vase erinnern. Optisch unterscheiden sich Router und Satellit nur marginal. Der Router verfügt über eine hellblaue Kopfabdeckung und weist eine andere Konfiguration der Anschlüsse auf. Trotz der Größe von 169,4 x 59,3 x 225,8 mm, lassen sich beide Geräte jedoch recht unauffällig in unsere Wohnung integrieren.

Zusätzlich zum WLAN verfügen Router und Satellit über ein Gigabit-Switch. Der Router bietet drei zusätzliche Anschlüsse plus einen WAN-Port, über den das Gerät selber kabelgebunden in das Netzwerk eingebunden wird. Beim Satelliten stehen vier Anschlüsse zur Verfügung. Zusätzlich ist bei beiden Geräten ein USB 2.0-Anschluss vorhanden, über den beispielsweise Festplatten angeschlossen werden können.

Installation

Das Orbi-System ist für Nicht-Profis konzipiert. Das zeigt sich auch bei der Installation, die erfreulich einfach gehalten ist. Dazu wird der Router über besagten WAN-Port mit dem Netzwerk verbunden und der Satellit an einer gewünschten Position in der Wohnung aufgestellt. Beide Geräte sind vorverschlüsselt und bauen umgehend eine Funkverbindung zu einander auf. Die Verschlüsselungsinformationen finden sich auf der Unterseite der Geräte, wo sie der Besitzer schnell finden kann. Visualisiert wird dieser Vorgang durch leuchtende LEDs im Inneren der Geräte. Im Idealfall leuchtet der Satellit nach wenigen Minuten blau auf und signalisiert so, dass er betriebsbereit ist. Magentafarbiges Leuchten würde bedeuten, dass etwas schiefgelaufen ist. In diesem Fall sollte der Satellit andernorts platziert werden und der Synchronisierungsprozess durch Drücken der rückseitigen Synch-Taste erneut eingeleitet werden. Im Test lief allerdings alles reibungslos und das Orbi-System war im Nu betriebsbereit.

© Screenshot Karsten Kunert / Die Bedienungsoberfläche von Orbi ist übersichtlich gestaltet.

Einrichtung und Funktionen

Das Orbi-System kann direkt an ein Internetmodem angeschlossen werden und auf diese Weise das gesamte Heimnetzwerk steuern. Beispielsweise anstatt einer FritzBox. Diese Funktion ist in anderen Ländern weiter verbreitet als in Deutschland, hat also durchaus ihre Daseinsberechtigung. Hierzulande wird sie aber eher nicht zum Einsatz kommen. Dennoch ist das Orbi-System werksseitig als Router konfiguriert. Das lässt sich allerdings in den Einstellungen schnell und einfach ändern.

Über „http://orbilogin.com/“ erhält man Zugriff auf die Einstellungen. Ein Klick auf den Reiter „Erweitert“ dann „Erweiterte Einrichtung“ und schließlich „Router-/AP-Modus“ führt zum Ziel, das Orbi-System als reinen Access-Point nutzen zu können. Wird das gewünscht, so bietet es sich an, das bisher genutzte WLAN des Routers auszuschalten, um Interferenzen zu verhindern.

© Screenshot Karsten Kunert / Das Orbi-System lässt sich leicht als Access Point einstellen.

Auch in den Einstellungen zeigt sich, dass Orbi für Endkunden entwickelt worden ist. Das Interface gibt sich übersichtlich, setzt auf grafische Elemente und verwirrt nicht durch Funktionen, die ein Informatikstudium voraussetzen. Funktionen wie Zeitplan, Firmware-Update oder DynDNS sind vorhanden, viele Entscheidungen hat Netgear jedoch anstelle seiner Benutzer getroffen.

Eine Trennung beziehungsweise Unterscheidung der Funknetze ist im März 2017 (noch) nicht vorgesehen. Orbi bietet genau eine SSID an, unter der man sich einloggen kann. Eine konkrete Entscheidung für das 2,4 oder das 5 GHz Funknetz bleibt dem Nutzer so vorenthalten.

© Screeenshot Karsten Kunert / Die WLAN-Optionen des Netgear Orbi sind nicht allzu umfangreich.

Letztlich kann hier mit dem nächsten Firmware-Update alles wieder anders aussehen. Hoffen wir also darauf, dass Netgear zeitnah nachbessert. So ist zum Beispiel mit Firmware-Version v1.5.0.12 die Möglichkeit hinzugekommen, Nutzern des Gäste-WLANs den vollen Zugriff auf alle Netzwerk-Ressourcen zu verbieten. Bis dahin konnte jeder Gast auf jedes angemeldete Gerät zugreifen.

WLAN und Reichweite

In unserem Praxistest hat sich Orbi keine Blöße gegeben. Unsere Wohnung liegt im zweiten und dritten Stock eines Neubaus und Orbi hat beide Etagen bis in die letzte Ecke ausgeleuchtet. Selbst durch die isolierten Fenster zum Balkon, die für WLAN-Systeme mit 802.11n noch beträchtliche Hindernisse dargestellt haben, hat sich Orbi nicht bremsen lassen und sein Signal noch gut 25 Meter vor die Haustür geschickt.

Videostreams sowohl über Netflix und Amazon Prime - also aus dem Internet- wurden genauso ruckelfrei abgespielt wie Full-HD 1080p Videos vom heimischen Netzwerkspeicher.

Dabei hat sich der Router als Alleinunterhalter auch sehr gut geschlagen. Testweise habe ich den Satelliten ausgeschaltet, um dessen Zusatznutzen zu überprüfen. Das Ergebnis war eine nach wie vor sehr gute WLAN-Verfügbarkeit auf beiden Stockwerken. Erst auf dem Balkon hinter verschlossener Tür ist das Signal merklich zurückgegangen.

Fazit

Mit dem Orbi WLAN-System hat Netgear ein sehr leistungsstarkes Paket für Privathaushalte auf den Markt gebracht. Entgegen meiner ursprünglichen Vermutung passten sich die beiden Geräte problemlos in ihre Umgebung ein. Kunden dürfen sich also über eine Lösung freuen, die schön designt und kinderleicht zu installieren ist. Mit derzeit knapp 430,- Euro passt Netgears Orbi allerdings nicht in jedes Budget.

Einziger Wermutstropfen neben dem Preis ist die eingeschränkte Funktionsvielfalt, die Netgear seinen Kunden mitgibt. Access Points in dieser Preisklasse verfügen normalerweise über mehr Einstellungsmöglichkeiten als es der Orbi mit seiner aktuellen Firmware tut.

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