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Sprachsteuerung: Jetzt wird das Home so richtig smart

Längst keine Science-Fiction mehr: Alexa, Google Home, Siri, Cortana, Jarvis von Facebook – smarte Assistenten hören aufs Wort und helfen im Alltag.

© Lenovo

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Fast genau 50 Jahre ist es her, dass ein Mensch in der TV-Serie „Raumschiff Enterprise“ vor sich hin diktiert und die Schreibmaschine auf dem Schreibtisch wie von Geisterhand fleißig mittippt. Und selbst vor 15 Jahren, als Tom Cruise in „Minority Report“ seine Wohnung mit der Stimme bediente, hätte niemand ernsthaft damit rechnen können, dass solche Vorhersagen so relativ schnell Realität werden.

Der Clou in diesem Film: „Der smarte Assistent hört zu und kommt den Befehlen ohne Verzögerung nach – gleichzeitig kann die Hauptfigur aber mit anderen Personen sprechen, ohne dass die Künstliche Intelligenz dadurch verwirrt wird“, erklärt Mike Hillenbrand, Inhaber der Firma Speechmedia in Essen, die als bester Spracherkennungsdienstleister Europas ausgezeichnet wurde. Hier arbeitet man hauptsächlich mit Profiversionen von Software wie Nuance Dragon Naturally Speaking, die gerade im beruflichen Bereich die Produktivität steigern können. Doch der private Bereich hole auf, sagt Hillenbrand: „Mit Siri, Cortana und Alexa haben sich in den letzten Jahren auch Steuerungsmodule für zu Hause etabliert, die zwar noch Potenzial haben, aber bereits heute eine erstaunliche Bandbreite an Möglichkeiten bieten.“

© Amazon / Das Echo-System ist auf zahlreiche "Befehls-Einsatzfälle" vorbereitet.

Mittels Spracherkennung lassen sich schon seit vielen Jahren Briefe, Notizen, E-Mails und andere Dokumente schnell und bequem nur mit der Stimme erstellen – auf dem heimischen PC ebenso wie unterwegs auf dem Smartphone. Zur Höchstform läuft das Diktieren auf, wenn die Sprache nicht nur erkannt wird, sondern auch zur Steuerung genutzt wird, gerade weil der Computer zwei Dinge in die Analyse einfließen lässt: die Gewohnheiten und Vorlieben der Nutzer. Je mehr Daten im täglichen Leben gesammelt werden, desto besser kann das System den Kontext erkennen und den Wunsch des Nutzers in die Tat umsetzen.

So werden immer mehr Vorgänge im Smart Home mit der Sprache gesteuert – sofern smarte Assistenten auf gesprochene Befehle achten. Vorgeprescht ist Amazon mit seinem Lautsprecher „Echo“, im Frühjahr folgt Google mit dem deutschen „Home“-Angebot. Während man über Echo mit dem Kommando „Alexa!“ zum Beispiel schon bei seinem Lieblings-Lieferservice Pizza bestellen kann (ca. 3000 Anweisungen sind vorprogrammiert), geht Google noch weiter und filtert nicht nur relevante Daten, sondern bringt sie in Beziehung zueinander.

© Google / Den smarten Assistenten Google Home gibt's in verschiedenen Farben.

Immer komplexere Anfragen und Anweisungen sind möglich

Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis komplexe Befehle wie „Zeige mir das Kino, in dem ich letzten Monat mit meiner Freundin einen Film gesehen habe, und nenne mir auch den Titel dieses Films“ richtig erkannt und entsprechend ausgeführt werden. Kein Problem sind schon jetzt Befehle wie: „Siri, dimme im Wohnzimmer das Licht auf 50 Prozent“ – sofern man in diesem Fall ein Apple-Homekit-kompatibles Lichtsystem wie etwa Philips Hue nutzt. Schon länger wiederum gibt es TV-Fernbedienungen mit Sprachsteuerung, etwa die Apple Siri Remote.

© Apple / Über Siri Remote lässt sich Apple TV per Sprachbefehle steuern.

Je mehr Geräte im Haus vernetzt sind, desto mehr findet Sprachsteuerung Einzug. Marktforscher gehen sogar davon aus, dass sie eine führende Rolle einnehmen wird: „Die Bühne für die Sprachsteuerung ist bereitet, um das Herz eines jeden intelligenten Smart-Home-Systems zu werden“, prophezeit Jonathan Collins, Forschungsdirektor bei ABI Research. Die Analysten sehen immer mehr Potenzial: Während 2015 „nur“ etwa 50 Millionen Smart-Home-Geräte verkauft wurden, von denen die wenigsten über „Voice Control“ verfügten, sollen es 2021 schon 600 Millionen Geräte sein, wobei ein Drittel sprachgesteuert sein könnten.

Amazon und Google arbeiten mit zahlreichen Smart-Home-Anbietern zusammen

Amazon zum Beispiel arbeitet mit den deutschen Smart-Home-Anbietern Qivicon und Tado zusammen, wodurch die Steuerung von Geräten von Osram, Philips, D-Link, Miele und vielen weiteren möglich wird. Google wiederum unterstützt Geräte von Samsung, Nest, Philips und Services wie IFTTT, will aber demnächst weitere Smart-Home-Plattformen integrieren. Über beide Lautsprecher lassen sich Musikdienste steuern, Termine abfragen, Texte übersetzen und vieles mehr.

Auch wenn aktuell die beiden Big Player Amazon und Google das Rennen unter sich auszumachen scheinen, schläft die Konkurrenz nicht.

Microsoft steht in den Startlöchern – und Facebook vielleicht auch

Als sehr leistungsfähig gilt auch der smarte Assistent Cortana von Microsoft – weshalb das Unternehmen in diesem Jahr ebenfalls eine Sprachsteuerung fürs Smart Home anbieten will: den „Home Hub“. Der wesentliche Unterschied ist Windows 10 als Basis: Theoretisch könnte die Sprachsteuerung auf jedem PC mit Display funktionieren, so dass beide Bedienungsarten zur Verfügung stehen könnten. Alle aktuellen smarten Heimgeräte sollen über das Home Hub bedienbar sein, etwa die Philips-Hue-Lampen. Mehr noch: Windows 10 soll dann sogar neue Smart-Home-Geräte automatisch erkennen und ins Netzwerk einbinden können.

Zu den Big Playern, die verstärkt in Forschung rund um Künstliche Intelligenz investieren, gehört auch Facebook. Zumindest für das eigene Haus, seine Geräte und sein Netzwerk hat Mark Zuckerberg höchstpersönlich ein KI-System namens Jarvis entwickelt, über das sich die vernetzten Geräte steuern lassen. Zwar hat Zuckerberg bisher nur einen Einblick in seinen Familienalltag gegeben, in dem Jarvis die eine oder andere Anekdote produziert hat, doch ist es nicht auszuschließen, dass es später auch einen smarten Assistenten von Facebook für bestehende Smart-Home-Systeme geben könnte.

Sprachsteuerungssysteme machen nicht immer, was man will

Man sollte sich allerdings klar darüber sein, dass sich auch beim Thema Sprachsteuerung noch Fehler einschleichen können. So waren die Eltern eines kleinen Jungen in den USA entsetzt, als Alexa kürzlich statt eines Kinderliedes Klingeltöne mit sexuellen Inhalten abspielte.

Im US-Bundesstaat Arkansas hofft die Polizei hingegen auf die Mithilfe Alexas bei einem Mordfall. Der Lautsprecher sollte in diesem Fall hilfreiche Aufzeichnungen liefern, um die Täter zu stellen. Eine Anfrage an Echo wird aber erst durch das Kommando-Wort „Alexa“ übertragen. Merke: Das Smart Home wird also auch für andere „Zuhörer“ zunehmend interessant werden...

Smart Home per Sprachbefehle steuern – ganz ohne Internet

Was aber, wenn gerade kein Internet verfügbar ist, etwa durch einen Netzausfall beim Telekommunikationsanbieter? Das soll ja auch 2016 schon mal vorgekommen sein. Dann könnten netzbasierte Dienste das Nachsehen haben und vielleicht lokalen Lösungen in die Hände spielen. Ein Beispiel ist SynOhr des bayerischen Herstellers Enertex: Die Heimsteuerungslösung deckt alle Smart-Home-Systeme mit KNX-Bus ab (spezielle Verkabelung als Standard) und soll besonders abhörsicher sein. Sprachbefehle werden nicht über eine Internet-Verbindung beim jeweiligen Anbieter in Anweisungen übersetzt, sondern die Übersetzung läuft hier lokal.

Trotz aller smarter Assistenz ist eine wichtige Schwelle noch nicht durchbrochen: Künstliche Intelligenzen wie HAL 9000 aus dem Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ sind heutzutage noch wirkliche Science-Fiction.

„Der Mensch muss also noch immer Kompetenz in der Bedienung erlernen, was streng genommen sogar erstrebenswert ist“, mahnt Spracherkennungsexperte Mike Hillenbrand, der zum Thema Sprachsteuerung auch Kurse gibt, etwa beim Familien-Festival „Phantastika“ im kommenden September in Oberhausen. „Denn wenn der Computer erst weiß, was wir meinen, wird es wahrscheinlich nur wenige Sekunden dauern, bis er es besser weiß.“

Was ja vielleicht gar nicht so schlecht ist, sondern hilfreich für alle Lebenslagen. Ob dies positive oder negative Folgen hat, lässt der legendäre Physiker Stephen Hawking in seinem berühmten Zitat vielsagend offen: „Die größte Errungenschaft der Menschheit wird es sein, Computer zum Denken zu bringen. Und das wird dann auch die letzte Errungenschaft der Menschheit sein.“

 

 

Fazit

Das neue Jahr wird zeigen, ob der von vielen erhoffte Durchbruch bei der Sprachsteuerung geschehen wird. Vor allem Google mit seiner gigantischen Daten-Infrastruktur lässt die spannendste Entwicklung erwarten, während Amazon, Facebook, Apple und Microsoft in Sachen Künstliche Intelligenz sicher die größten Anstrengungen unternehmen werden, um nicht den Anschluss zu verlieren.

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