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Guck nicht so! Wie man TV-Kameras ausschaltet

Einige Fernseher sind mit Kameras ausgestattet um Funktionen wie Skype und Gestensteuerung zu ermöglichen. Aber wie kann man die bloß deaktivieren?

Ein Paar genießt die Vorzüge eines Smart TV - Doch wer schaut mit?

J. Simunek/Shutterstock

Eine erstaunliche Demonstration, was technisch Versierte mit Smart TVs anstellen können, lieferte die ARD-Sendung Plusminus vom 22. April 2015: Die Redaktion ließ den IT-Sicherheitsexperten Benjamin Michéle mit Hilfe eines handelsüblichen Laptops ein ans Internet angeschlossenes Smart TV hacken. Mit wenigen Tastatureingaben und binnen Minuten hatte der IT-Sicherheitsforscher von der TU Berlin den Fernseher eines Ehepaars gekapert: Die beiden machten den Test freiwillig mit, wussten aber vorher nicht, was passieren würde. Michéle konnte ferngesteuert die eingebaute Kamera des Gerätes aktivieren und über seinen Computerschirm in das Wohnzimmer schauen.

Anders als eine Fernsehkamera, ein Camcorder oder auch manche Webcams signalisieren die Kameras der meisten Smart TVs nicht durch eine LED, wenn sie eingeschaltet werden. Die Beobachteten merkten nichts – bis Michéle am Ende das Smart TV sogar ausschaltete. Sind die laut Plusminus mittlerweile rund 16 Millionen Smart TVs in deutschen Wohnzimmern also alles verkappte Spione?

Zum Glück kann man sich selbst helfen

Den Herstellern der Geräte bösen Willen oder übermäßigen Datensammeleifer zu unterstellen, geht wohl zu weit. Benjamin Michéle erklärt in der Plusminus-Sendung, warum die Geräte sich seiner Ansicht nach so leicht manipulieren lassen: „Es liegt daran, dass die Hersteller schnell auf den Markt wollten. Der Fernseher soll viele Fähigkeiten haben, gleichzeitig wird aber zu wenig Wert darauf gelegt, die Fernseher sicher zu gestalten.“ Solange das noch nicht gewährleistet ist, muss der stolze Smart-TV-Besitzer sich selber helfen.

© Samsung / Oft ist die Kamera fest im TV verbaut. Ob sie aktiv ist, lässt sich schwer feststellen.

Abschalten leicht gemacht

Webcams bei Notebooks sind meist gut sichtbar oben im Bildschirmrahmen integriert, wohingegen die Kameras in Smart TV-Geräten nicht immer sofort erkennbar sind. Im Folgenden wird erklärt wo die unterschiedlichen Hersteller die Kameras eingebaut haben und wie sie sich deaktivieren lassen:

Die mit einer Kamera ausgestatteten Panasonic-Modelle haben eine ausfahrbare Kamera am oberen Rand. Die wird nur bei Aktivierung per Fernbedienung elektrisch aus dem Rahmen geschoben und eingeschaltet. Ist sie im Gehäuse versenkt, kann sie nichts aufnehmen. So kann der Nutzer von Fall zu Fall entscheiden: eine gute und sichere Lösung.

So ähnlich hält es Philips: Hier versteckt sich die Kamera allerdings unter dem Bildschirm und kann ausgefahren werden, indem man sie über die Fernbedienung im Menü ansteuert. Wird die Kamera nicht genutzt, bleibt sie im Gehäuse – oder wird, je nach Modellvariante, elektrisch oder manuell wieder eingeschoben.

Einige Modelle des koreanischen Herstellers Samsung haben nicht nur eine Kamera, sondern auch eine automatische Gesichtserkennungs-Software. Mit deren Hilfe soll das TV-Gerät erkennen, wer wann was im Fernsehen sieht oder im Internet anklickt. Die Idee dahinter ist ja eigentlich nicht schlecht: So sollen Werbetreibende besser auf die Interessen des TV-Zuschauers abgestimmte Werbung senden, was Hersteller wie Grundig und Panasonic auch unumwunden zugeben. Wer das aber nicht möchte, kann bei den Samsung-Geräten im Menü unter „Personalisierungs- und Empfehlungsdienste“ den Haken bei „Ergänzende Datenschutzhinweise“ entfernen. Die Stiftung Warentest empfiehlt, zusätzlich auch die Spracherkennung auszuschalten. Schließlich hatte der Hersteller selbst davor gewarnt, allzu private Dinge nicht vor dem Fernseher zu besprechen: „Bitte beachten Sie, dass sämtliche gesprochenen Worte, auch persönliche oder sensible Informationen, bei Ihrer Nutzung der Spracherkennung erhoben und an einen Drittanbieter übertragen werden,“ stand noch im Februar 2015 in den Nutzungsbedingungen zu seinen TV-Geräten. Immerhin: Dies ist nach Protesten mithilfe eines Updates geändert worden.

Bei Smart TV-Geräten, deren Kamera fest im Gehäuse verbaut ist – dazu gehört zum Beispiel auch das 20.000 Euro teure Topmodell von Sony –, lässt sich leider nicht sicher feststellen, ob die Kamera nun eingeschaltet ist oder nicht. Was tun? Stecker raus, WLAN aus? Wenn man das Gerät nicht ganz vom Internet trennen will - da man sich somit all der tollen Funktionen berauben würde -, bleibt nur die Maßnahme, mit der sich viele Notebooknutzer seit Bekanntwerden der NSA-Affäre zu schützen suchen: Sie bedecken die Kamera mit einem Klebestreifen. Dass man damit das edle Design verschandelt, liegt auf der Hand.

© Philips / Viele Hersteller haben reagiert und bieten Kameras für den Fernseher jetzt zum Aufstecken an.

Die Hersteller haben dazugelernt: Viele bieten die Kamera nur noch als Zubehör an

Anscheinend nehmen die Hersteller die Sorgen der deutschen TV-Zuschauer tatsächlich ernst. Die auf der Internationalen Funkausstellung im September 2015 vorgestellte neue Generation von Smart TV-Geräten haben längst nicht mehr alle eine eingebaute Kamera: Panasonic bietet sie gar nicht mehr an. Die Kunden hätten das Feature einfach nicht nachgefragt, sagte uns ein Mitarbeiter des Unternehmens. Auch von LG gibt es aktuell keine neuen Modelle mit Kamera.

Andere Marktgrößen wie Sony und Philips bieten die Technik mit verbesserten Sicherheitsfeatures weiter an: Wenn man überlegt sich ein neues Gerät zuzulegen und vielleicht die Skype-Funktion nur ab und zu nutzen möchte, sollte man eines wählen bei dem die Kamera nicht schon ab Werk eingebaut ist, sondern als Zubehör dazugekauft werden kann (als Beispiele seien die Sony W600B und W700B-Serie genannt). Die kleine Sony-Kamera wird am oberen Bildschirmrand aufgesteckt und mit einem USB-Stecker angestöpselt. Wenn sie nicht gebraucht wird, kann sie in der Schublade auf ihren nächsten Einsatz warten oder - einfacher - um 180 Grad nach hinten gedreht werden.

Fazit

Auch wenn die Kamera im Smart TV den Blick ins heimische Wohnzimmer frei geben kann, handelt es sich hierbei noch lange nicht um einen getarnten Spion. Denn gewusst wie, ist das Gerät anhand einiger Klicks schnell datengeschützt eingestellt. Außerdem passen sich immer mehr Hersteller an die Wünsche der Verbraucher an und bieten ihre Geräte ohne eingebaute Kamera an

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