Teilen
Smart Home

Alles über das smarte Wohnen

Altersgerecht wohnen

Smarte Technik für selbstständige Senioren

Immer mehr Menschen wollen zu Hause alt werden. Um dies zu ermöglichen, ist der Einsatz von entsprechender Technik nicht mehr umgänglich.

© Fotolia / De Visu

© Fotolia / De Visu

Während 1950 nur jeder zehnte Bundesbürger mindestens 65 Jahre alt war, ist heute bereits jeder fünfte älter als 64 Jahre. Im Jahr 2050 soll rund jeder dritte in Deutschland lebende Mensch über 64 sein. Ebenfalls im Jahr 2050 dürfte jeder siebte Deutsche die 80-Jahre-Grenze überschritten haben, wobei ein Großteil davon weiblich sein wird. So hat es das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung berechnet. Den meisten Menschen dürfte es ein Grundbedürfnis sein, auch im höheren Alter und trotz etwaiger Gebrechen noch in ihren eigenen vier Wänden zu leben – so unabhängig und selbstbestimmt wie möglich, dabei aber auch sicher und gesund. Nachdem der Anteil der mindestens 65-Jährigen stetig wächst, wächst also auch der Bedarf nach Lösungen, um das Bedürfnis der älteren Mitbürger nach einem wohligen Zuhause und einer vertrauten Umgebung zu gewährleisten. In Anbetracht der relativ hohen Pflegekosten und des Mangels an Pflegepersonal lohnt sich ein Blick auf die smarte Technik allemal.Der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung nimmt stetig zu. © Fotolia / oneinchpunch

Smart Home für Ältere zunehmend thematisiert

Immer mehr Institutionen und Firmen beschäftigen sich mit Technik, die älteren und/oder körperlich eingeschränkten Menschen den Alltag erleichtern soll. In Berlin beispielsweise bietet die Hochschule für Technik und Gestaltung inzwischen den Masterstudiengang Ambient Assisted Living (AAL) an, der sich mit eben jenen Technologien und Systemen beschäftigt, die bei der Alltagsbewältigung zu Hause helfen können. Auch Institutionen wie die Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik, das Berliner Institut für Sozialforschung oder die Karlsruher Stadtmission widmen sich dem Thema zunehmend. Firmen wie Casenio, Provedo, Tunstall oder Martin Elektrotechnik haben ebenfalls die Veränderungen in der Gesellschaft bemerkt und ihre Chance erkannt, neue Produkte auf einen noch jungen Markt zu bringen.Smart Home Technik erleichtert älteren Menschen den Alltag. © Tunstall

Smarte Produkte für Senioren

Aber jetzt einmal Klartext: Was müssen smarte Produkte für Senioren in der Praxis eigentlich können? Intelligentes Wohnen bedeutet, dass die Menschen sowohl sicher als auch selbstbestimmt leben können. Die Bedürfnisse variieren von Person zu Person und müssen entsprechend individualisiert angepasst werden. Dazu ist es gut zu wissen, was smarte Produkte heute schon können.

Der Klassiker hier ist wohl das Notrufarmband. Es kann in verschiedenen Ausführungen daherkommen: als Uhr, tatsächlich als Armband oder in Form eines Anhängers, den man sich um den Hals hängen kann. Der SMANOS PB1000 Notrufsender ist beispielsweise so ein Anhänger. Sollte es dem Träger eines Notrufsenders einmal schlecht gehen – etwa durch einen Sturz oder eine Kreislaufschwäche – drückt er einfach auf den roten Knopf und schon werden die im System hinterlegten Personen benachrichtigt. Diese können dann je nach Vereinbarung anrufen, Hilfe schicken oder selbst vorbeikommen, um zu sehen, was passiert ist und zu helfen.

Ebenfalls auf Stürze oder Bewegungslosigkeit reagieren smarte Sensoren. Der SensFloor der deutschen Firma Future-Shape macht beispielsweise Fußböden smart. Die unter dem Boden angebrachte Sensormatte erfasst Bewegungen. Bewegungsmelder können aber auch im Hausflur, auf der Matratze (wie etwa EightSleep), in Lichterschaltern oder an anderen Stellen angebracht sein. Sollte sich im Haus für ungewöhnlich lange oder für eine vorgegebene Zeit nichts rühren, löst das System einen Alarm aus. Manche Sensoren erfassen auch Sturzerschütterungen und schlagen Alarm. Angehörige oder Bekannte werden benachrichtigt und können nachschauen, ob alles in Ordnung ist.Die Sensormatte von Future-Shape misst Bewegungen. © Future-Shape GmbH

Ist auf die Schnelle niemand verfügbar, der vor Ort nach dem Rechten sehen kann, könnte auch der Einsatz einer smarten Kamera von Nutzen sein. Es gibt mittlerweile schon Kameras mit Gesichtserkennung, wie etwa die Welcome von Netatmo. Sie kann auch auf Geräusche reagieren. Sollte der Rauchmelder oder die Alarmanlage losgehen, sendet sie Signale ans Smartphone oder Tablet des Nutzers. Über die D-link DCS-942L lässt sich sogar dank Mikrofon und anschließbarem Lautsprecher in zwei Richtungen kommunizieren. Besonders vorteilhaft ist dies, falls der zu betreuenden Person etwas zugestoßen sein sollte: Mit beruhigenden Worten kann man ihr über die Kamera Beistand leisten, bis Hilfe eingetroffen ist. Aber gerade bei einer Überwachungskamera in Omas Wohn- oder Schlafzimmer stellt sich die Frage: Hat Sicherheit oder Privatsphäre einen höheren Stellenwert? Wie generell beim Thema Smart Home für Senioren gilt, dass der Einsatz von Technik individuell entschieden und mit der betroffenen Person oder ihrem Vormund abgestimmt werden muss.Smarte Kameras können hilfreich sein, bei der Gesundheitskontrolle. © Netatmo

Sind die älteren Herrschaften nicht mehr gut zu Fuß unterwegs und fällt ihnen jeder Arztbesuch schwer, kann auch hier Abhilfe geschaffen werden. Mit smarter Medizintechnik wie etwa schlauen Blutdruckmessgeräten. Das Medisana BW 300 beispielsweise misst den Blutdruck automatisch am Handgelenk und sendet die Daten via VitaDoc ans Smartphone oder Tablet. Die Werte können auch online gespeichert und somit für autorisierte Personen – z.B. den Hausarzt –  abrufbar gemacht werden. Eine persönliche Konsultation des Doktors wäre erst wieder nötig, wenn tatsächlich Beschwerden oder veränderte Werte auftreten würden. Damit es gar nicht so weit kommt, gibt es intelligenten Pillendosen, die unter anderem per Nachricht aufs Smartphone an die regelmäßige Medikamenteneinnahme erinnern. Wichtig, wenn die Großeltern Smartphone oder Tablet nutzen, ist, dass sie die Geräte auch gut bedienen können: große Tasten und große Schrift sind dabei hilfreich.Dank smarter Technik muss man nicht immer zum Arzt, wenn der Blutdruck gemessen werden soll. © Tunstall

Die mobilen Geräte können gleichzeitig zur Kommunikation mit anderen Menschen dienen und beugen so ein wenig der Vereinsamung vor. Über Skype oder andere Videochatprogramme bleibt man im Gespräch, Live-Streams von Seniorennachmittagen oder anderen Veranstaltungen geben denjenigen, die nicht mehr so oft aus dem Haus können, das Gefühl, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.Der Matratzen-Sensor EightSleep überwacht nicht nur den Schlaf, sondern auch Temperatur und andere Faktoren, die den Schlaf beeinträchtigen könnten. © Eight

Praktisch für Menschen, die sich nur eingeschränkt bewegen können, sind vernetzte Rolläden, Markisen und Jalousien wie etwa diverse Produkte von Rademacher. Per Smartphone lassen sie sich einfach von der Couch oder dem Bett aus hoch- und runterfahren. Auch die smarte Heizungs- und Klimaanlagensteuerung sowie das einfache Bedienen der Beleuchtung erleichtern das Alltagsleben von älteren Menschen sehr. Smartes Licht gibt es inzwischen von einer Reihe von Anbietern, beispielsweise von Philips (Hue) oder Osram (Lightify).

Der Kühlschrank als Gedächtnisstütze macht Bilder von seinem Inneren. © BoschKochen stellt für viele Rentner eine willkommene Abwechslung dar. Damit es aber nicht zu Unfällen kommt – etwa wenn der Hobbykoch auf der Couch wegnickt, nachdem er den Braten in den Ofen geschoben hat – sollte man auf Sicherheit achten. Bevor es dazu kommt, dass ein Rauchmelder Alarm auslöst, könnte beispielsweise ein smarter Ofen eine Nachricht ans extra laut eingestellte Smartphone schicken, wenn das Essen fertig ist. So sollte niemand mehr den richtigen Moment zum Ausschalten verpassen – vorausgesetzt, die Batterien im Hörgerät sind noch voll und der Vibrationsalarm stark genug. Ein schlauer Kühlschrank hingegen dient als Erinnerungshilfe beim Einkaufen, sollte der Einkaufszettel einmal vergessen worden sein. Mit Hilfe von Kameras kann er Fotos von seinem Inneren schießen und diese dann aufs Smartphone seines Besitzer direkt in den Supermarkt schicken. Herd und Kühlschrank gibt’s z.B. von Bosch.

Besonders einfach zu bedienen für ältere Menschen sind Systeme wie PAUL („Persönlicher Assistent für unterstütztes Leben“) oder Assisted Living von Tunstall. Auch die Schutzengel-Systeme von Martin Elektronik sind speziell für ältere Menschen entwickelt. So kann „Raphael-dual“ von Martin Elektronik etwa demente Menschen mit Hilfe eines GPS-Trackers wiederfinden und ist gleichzeitig kombinierbar mit allen anderen Komponenten der Serie Raphael.Bewegungsmelder sind auch nützlich, um die Beleuchtung automatisch zu aktivieren, sobald eine Bewegung registriert wird. © Rademacher

Systeme, die alle Smart Home-Komponenten vereinen, sorgen für mehr Überblick. Gleichzeitig müssen Senioren weniger neu lernen, haben dafür alles auf einen Blick vereint und können die verschiedenen Geräte immer nach demselben Muster steuern. Wer also darüber nachdenkt, sein Haus oder das der Eltern oder Großeltern smart zu machen, ist gut beraten, wenn er sich nicht ausschließlich nach Einzellösungen umsieht, sondern gleich ein komplettes System in Betracht zieht, welches über eine zentrale Steuerung aller verknüpften Elemente verfügt. Besonders hilfreich ist es dann natürlich auch, wenn das System über offene Schnittstellen verfügt, die es dem Nutzer erlauben, weitere Geräte – gegebenenfalls auch von anderen Anbietern – hinzuzufügen, je nachdem wie sich die Bedürfnisse im Laufe der Zeit verändern. 

Fazit

Auf Grund der steigenden Nachfrage gibt es immer mehr smarte Geräte und Systeme, die älteren und gesundheitlich eingeschränkten Menschen das alltägliche Leben erleichtern. Aus einer großen Auswahl das passende zu finden, ist immer eine Frage nach den individuellen Wünschen und Bedürfnissen. Angehörige sollten dabei auch immer den ethischen Aspekt berücksichtigen, wenn sie das Leben ihrer Verwandten durch Technik erleichtern möchten: Wieviel muss, wieviel darf und wieviel ist nötig – ohne dass das Wohlbefinden der betroffenen Person beeinträchtigt ist?

War dieser Artikel interessant für Sie?

Spannende Produkte bei Media Markt kaufen

Produkt wird geladen...

Produkt wird geladen...

Produkt wird geladen...

Produkt wird geladen...

Smart wohnen

Ich habe die Erläuterungen zum Datenschutz und zu den Nutzungsbedingungen gelesen und akzeptiere diese.

Passwort vergessen

Tragen Sie eine Ihrer bestätigten E-Mail-Adressen ein. Wir schicken Ihnen dann einen Link, über den Sie ein neues Passwort einrichten können.

Zurück